Wie wollen wir zukünftig Gedenkpolitik gestalten?

Der 09.11. und 27.01. sind auch in Potsdam Tage, um an die Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus zu gedenken. Vor 68 Jahren wurde Deutschland vom Faschismus befreit. Dennoch finden weiter alltäglicher Rassismus und Übergriffe auf anders Denkende oder Aussehnende statt und existieren neonazistische Organisationen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig an den systematischen Massenmord an Millionen Menschen aber auch den geleisteten Widerstand zu erinnern und in Rückbesinnung auf die Vergangenheit Erkenntnisse für die Zukunft zu nutzen.

Am 13.01.2013 haben wir uns zusammen mit einigen Potsdam_innen im Rahmen eines offenen Austausches anhand dreier Fragekomplexe Gedanken über die zukünftige Gedenkpolitik gemacht. Ideen und Fragen, die die Teilnehmer_innen der Gesprächsrunden beschäftigt haben, findet ihr in der folgenden Auswertung.

Auswertung

1.) Was bedeutet für euch Gedenken?
Warum ist es wichtig/ist es wichtig?
Was haltet ihr für gedenkwürdig?

= Innehalten
= Lernprozess
=Aufarbeitung von Geschichte
=Ausdruck von Zeitgeist
=findet eher kollektiv statt
=Einfluss auf Gegenwart zu nehmen
=Anerkennung von Betroffenen
=Konfrontation der Öffentlichkeit

-soll nach konkreten Ursachen fragen
-wird als politisch bewertet
-Vergangenheit und Gegenwart verstehen
-Gedenken an historische Zusammenhänge nicht nur Opfer
-Dokumente aufbewahren, Kontakte zu Überlebenden und Angehörigen --> zukünftige Generationen
-Gegenwartspolitik
-wer gedenkt mit wem?
-Geschichte mit Gedenken transparent machen
-unabhängig von politischer Einordnung möglich?
-aus Geschichte lernen
-Erinnerung wachhalten
-folgende Generationen mahnen
-abhängig von geschichtlicher Entwicklung
-aktiver Prozess
-zeitlich abgeschlossen aber nicht zeitlich eingegrenzt
-unabhängig von Gruppenzugehörigkeit

Themen: NS-Verbrechen, Kolonialgeschichte, Widerstand von Partsan_innen

2.) Wie wichtig sind Zeitzeug_innen?
Wie können sie in Gedenken eingebunden werden?
Wie soll es weitergehen, wenn es keine Zeitzeug_innen
mehr gibt?

-wir sind Zeitzeug_innen
-Zeitzeug_innen als moralische Instanz
-Zeitzeug_innen im Ausland
-persönliche Täter_innenforschung anregen + Auseinandersetzung
-Gedenkorte und Dokumente sammeln, Bildungsmaterialien zusammenstellen
-Zeitzeug_innen befragen, aber kommentiert
-Zeitzeug_innen vermitteln Authentizität
- Zeitzeug_innen berühren, vermitteln Gefühle, machen betroffen
-subjektiv, geben eigene Erlebnisse wider --> bedingt historische Quelle
-Einbindung von Zeitzeug_innen ist ereignisabhängig
-2. und 3. Generation befragen um Beziehungsebene herzustellen
-Video-und Audiomaterial mischen für Veranstaltungen (Gedichte)
-Ort kann Zeitzeuge sein
-Zeitzeug_innen haben Hintergrundwissen
-eine der genausten Dokumentationsquellen
--> Kontaktstellen nicht verlieren (Angehörige)
-Suche nach Aufzeichnungen, zentrale Archive, ,… --> Erhalt
-wie Gedenkstätten anschaulicher gestalten?
-Idee: Wanderausstellung an Schulen

3.) Wie soll für euch Gedenkpolitik/Erinnerungskultur
zukünftig gestaltet sein?
In welcher Form wollt ihr euch damit beschäftigen
Wie stellt ihr euch ein würdiges Gedenken vor?

-verschieden Möglichkeiten: Themenwochen/-jahr, Kampagne, Flashmobs,
-Aktualitätsbezug, aber auch Kontinuität
-verschiedene Perspektiven
-Broschüren, Textsammlungen
-Gedenktage sollten innovativ und abwechslungsreich sein
-Lernmöglichkeiten z.B. durch Workshops
-Einbindung von Zeitzeug_innen
-Gedenken im Alltag vermitteln
-Motivation für den Kampf
-Gedenken von unten
-andere Formen z.B. Konzert
=vielstimmig und kontrovers, gut vorbereitet, konfrontativ und kritisch instrumentell, gegenwartsrelevant, Stimme für die Opfer
-Widerstand fokussieren
-konkret, in Themen eingebettet
-Orte des Gedenkens nutzen
-Gedenkbedürfnis analysieren und erwecken
-Gegner_innen kennen, Diskursspielräume erweitern
-lokal verknüpft (Stolpersteine einbeziehen)
-mehr Bildung bei Gedenkveranstaltungen und Vorträge
-nichts vergessen
-aktives Gedenken

Mitschrift von der anschließenden Diskussion

-Gedenken von unten: Punkte ansprechen, die von öffentlichem Diskurs ausgespart werden
-Gedenken sollte spontan sein und Spontaneität kann Ausdruck der Form sein
-Täter_innenforschung betreiben (was haben Oma und Opa getan?) = konkretes Gedenken --> Schlussfolgerung auf Große
< -> Entkontextualisierung offiziellen Gedenkens
-Arbeit über Gedenktage hinaus: Verknüpfung zu anderen Veranstaltungen/Formen
-aktives Gedenken, Verarbeitung in anderer Atmosphäre
-andere Gedenkformen: z.B. Fahrradtour
-Markierung von unbekannten Orten (Täter_innenorte) mit Infotafeln z.B. Flugzeugwerke und Zwangsarbeit auf dem Freilandgelände, Fusiongelände = Versuchsgelände für Flugzeuge und Außenlager von Ravensbrück
--> Stadtspaziergänge – Recherche notwendig
--> Verbindung zu Alltag, sozialer Zusammenhang in der Zeit, Verbindung mit eigenen Erfahrungen
-mit eigenem Gedenken schwierig über Szene/eignen Sumpf hinaus Leute zu erreichen, Ziel: Wahrnehmung darüber hinaus, bemerkt werden – nicht notwendig, verschiedene Formen ausprobieren -> wird wahrgenommen
Ideen: mit Flashmobs oder Performancekunst Aufmerksamkeit erregen, Mischung aus Kunst, Kultur und Politik

Vergessen ist die Erlaubnis zur Wiederholung

Am 27. Januar 2013 jährt sich der Jahrestag der Auschwitzbefreiung zum 68. Mal.

Zum 68. Mal werden von unterschiedlichen Vereinigungen Gedenkveranstaltungen durchgeführt. Das Gedenken an den Nationalsozialismus soll die Erinnerung an die Opfer wach halten und die Bezwinger ehren. Vor allem aber soll durch das Wachhalten der Erinnerung an die einmaligen Verbrechen der Deutschen eine Wiederholung verhindert werden, denn das Vergessen ist die Erlaubnis zur Wiederholung.

Während unserer Veranstaltungsreihe werden wir versuchen kritischen Fragen zur deutschen Erinnerungspolitik, mit ihren Denkmalseinweihungen, Ausstellungen und Gedenkfeiern, nachzugehen. Außerdem werden wir versuchen einen eigenen, emanzipatorischen Umgang mit dem Gedenken an die Auschwitz-Befreiung zu finden.

Weitere Infos:

http://www.auschwitz-gedenken-potsdam.tk/

80 Jahre Antifaschistische Aktion

Am 19.10.12 fand im Studentischen Kulturzentrum eine Veranstaltung von Bernd Langer anlässlich des 80jährigen Jubiläums der Antifaschistischen Aktion statt. Das bot uns den Anlass die Entwicklung von den 20er Jahren an bis heute zu betrachten. Auf Grundlage des Vortrags wollen wir eine kleine Analyse der Bewegung heute im Rückblick auf die Vergangenheit wagen.

Wandel des Begriffs

Während der Begriff Faschismus in den 20er Jahren mit Kapitalismus (im Sinne der KPD) gleichgesetzt wurde und eher Kampfbegriff als Ideologie darstellte, charakterisierte Dimitrow 1934 Faschismus als die extremste Form kapitalistischer Ausbeutung. Aus der im Juli 1932 gegründeten Einheitsfront Aktion wurde später die Antifaschistische Aktion, welche heute verbindendes Element aller Antifagruppen ist.
Nach dem Nationalsozialismus wird der Begriff heute viel mehr auch mit Rassismus, Antisemitismus, Verfolgung und Krieg assoziiert und bekämpft.
Der Antikapitalismus ist eine weitere Grundlage antifaschistischen Engagements.
Unsere antifaschistische Arbeit heute ist mit dem Ziel verbunden, eine unterdrückungs- und ausbeutungsfreie Gesellschaft zu schaffen. Auf dem Weg dorthin stellen Rassismus, Sexismus, Kapitalismus usw. Hindernisse dar, die überwunden werden müssen. Das schließt den Kampf gegen Nazis genauso wie die Auseinandersetzung mit Mackern mit ein.

Nazis bekämpfen damals und heute

Während in den 30er Jahren Saalschlachten und militante Aktionen auf der Tagesordnung standen, werden heute oft gesellschaftlich eher anerkannte Alternativen wie z.B. Blockaden oder ziviler Ungehorsam genutzt, um Massen zu mobilisieren und sich Nazis in den Weg zu stellen. Militanter Antifaschismus hat trotz alledem vor allem im Selbstschutz gegen Nazis und Zerstörung ihrer Infrastruktur nach wie vor Relevanz.

Natürlich herrscht heute nicht mehr der gleiche Druck wie in den 30er Jahren die Straße zu beherrschen oder unterzugehen. Dennoch ist antifaschistische Arbeit weiterhin notwendig. Das beweisen nicht nur die Morde der NSU, alltäglich stattfindende Übergriffe auf Linke, Migrant_innen und Obdachlose, sondern auch NPD-Kundgebungen am Potsdamer Hauptbahnhof, Fackelmärsche von Nazis durch Waldstadt oder aber der jeden Tag stattfindende Alltagsrassismus.

Die etwa 1978 erstmals gegründeten Recherchegruppen und ihre heutigen Vertreter_innen leisten gute Arbeit und bilden einen Eckpfeiler antifaschistischen Engagements.

Probleme

In der Auseinandersetzung mit dem Faschismus und Kapitalismus verfolgte die KPD in den 20er/30er Jahren die Einheitsfrontpolitik. Diese hatte nicht das Ziel einer gleichberechtigten Zusammenarbeit mit der SPD, sondern sollte den Anschluss an die KPD erleichtern. 1924 entwickelte Grigori Sinowjew die Sozialfaschismusthese in Folge dessen eine Zusammenarbeit mit sozialdemokratischen Parteien für Angehörige der Komintern ausgeschlossen wurde. Dies und auch die lange Unterschätzung der Nazis verhinderte eine rechtzeitige gemeinsame Intervention. Als problematisch erwies sich hierbei zudem die hierarchische Struktur der Parteien und Befehlgebundenheit des Einzelnen. Nach Aufhebung der Sozialfaschismusthese 1935 bewies die Unterstützung der Volksfront im Spanischen Bürgerkrieg, dass eine Zusammenarbeit möglich war.

Das Ausmaß der staatlichen Repression gegenüber der KPD reichte (auch unter Regierungsbeteiligung der SPD) von Parteiverboten über Verhaftungen bis hin zum Mord. Vom Blutmai 1929, wo 33 Menschen starben, sind wir zwar heute weit entfernt, dennoch wurden mit den Paragraphen 129 StGB neue Instrumente zur weiteren Verfolgung politischer, insbesondere antifaschistischer Gruppen geschaffen.
Darüber hinaus setzt sich die Kontinuität staatlicher Verstrickung mit den Nazis bis heute fort. Sie reichte von Übereinstimmung im Nationalsozialismus, zur Förderung und Weiterbeschäftigung von Nazis in der DDR und vor allem der BRD bis hin zur Unterstützung der NSU durch den Verfassungsschutz aktuell.

Heute ist eine außerparlamentarische antifaschistische Opposition in mehreren bundesweiten Zusammenschlüssen wie der IL und Ums Ganze organisiert. Des Weiteren gibt es lokal gut arbeitende Bündnisse in den einzelnen Bundesländern.
Versuche in den 80ern und 90ern bundesweite Organisationen zu schaffen, scheiterten zum großen Teil an inhaltlichen oder persönlichen Konflikten. Mobilisierung von vielen Menschen ist vor allem bei lang angekündigten und breit beworbenen Großevents möglich. Auch gibt es heute wieder eine gute Zusammenarbeit antifaschistischer Genoss_innen mit anderen Bewegungen, so dass die Grenzen z.B. zur Antiatom- oder Gentrifizierungsbewegung zum Teil fließend sind. Leider sind gerade an kontinuierlicher Arbeit immer weniger Menschen interessiert und auch für Einzelaktionen lassen sich nicht immer viele mobilisieren. Die im Vergleich zur damaligen KPD mangelnde organisatorische Eingebundenheit und inhaltliche Ernsthaftigkeit erschwert vor allem kleineren Gruppen die Arbeit.

Fazit

Die antifaschistische Bewegung ist nach wie vor gesellschaftlich interventionsfähig. Lokale und deutschlandweite Naziaufmärsche können seit einigen Jahren immer wieder behindert oder verhindert werden. Leider gibt es auch einen breiten Teil der sogenannten alternativen Szene, der sich vor allem durch einen ähnlichen Bekleidungsstil und ein gemeinsames Partybedürfnis zusammenfindet und nicht aufgrund politischer Organisation.
Allgemeine Unzufriedenheit und Protest in einem begrenzten Rahmen sind alltäglich, reichen aber nicht aus für eine Veränderung der Gesellschaft.
80 Jahre Antifaschistische Aktion sollen nicht mit uns enden. Mit dem Ziel einer unterdrückungsfreien Gesellschaft vor Augen wollen wir nicht „nur“ gegen Nazis, sondern auch für eine bessere Alternative kämpfen. Wir sollten uns die Entschlossenheit, Kontinuität und Einsatzbereitschaft unserer Vorgänger_innen als Beispiel nehmen, um weiter für unser Ziel zu streiten!

Freiheiten werden nicht erbettelt, sondern erkämpft!

mehr Infos auch in der Broschüre: „80 Jahre Antifaschistische Aktion“ von Bernd Langer, Hrsg.: Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur

Redebeitrag der Gedenkveranstaltung vom 09. November 2012

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Mehrfach versuchten Neofaschist_innen im vergangenen Jahr in Potsdam ihre Propaganda mittels Kundgebungen, Demonstrationen oder Flugblätter zu verbreiten. Das Ziel einer positiven öffentlichen Resonanz wurde damit jedoch nicht erreicht. Zuletzt zeigte der breite antifaschistische Widerstand den Nazis Mitte September klar ihre Grenzen in Potsdam auf, als mehrere tausend Antifaschist_innen knapp 80 Nazis jede Bewegung in dieser Stadt unmöglich machten. Wie bei den vergangenen Demonstrationen in Dresden zeigt sich inzwischen auch in Potsdam eine stark erhöhte Mobilisierungsfähigkeit der so genannten Bürgergesellschaft. Nachdem jahrelang versucht wurde, dass Naziproblem in Potsdam zu leugnen und klein zu reden, wird sich jetzt auch ganz offiziell und medienwirksam gegen rechts positioniert.
Jedes ehrlich dazu gewonnene antifaschistische Engagement können wir nur begrüßen. Wichtig ist nun, dieses Engagement dauerhaft aufrechtzuerhalten und nicht wie den so genannten Aufstand der Anständigen nach kurzem Aufschrei wieder verstummen zu lassen. Auch eine Spaltung des antifaschistischen Widerstandes in offiziell befürworteten, und damit ‚guten‘, und in Einschätzung der Lage, radikalen, und damit ‚bösen‘ Antifaschismus lehnen wir entschieden ab. Jede der Situation angemessene Form des antifaschistischen Widerstandes halten wir für legitim und unterstützenswert – die unsäglichen Verfolgungen von blockierenden oder anders protestierenden Antifaschist_innen müssen sofort und überall beendet werden! Entschlossener Antifaschismus ist nicht kriminell, sondern bitter notwendig!

Im vergangenen Jahr hat das vor allem die Aufdeckung der bestialischen Mordserie des so genannten ‚Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU)‘ gezeigt: Der rassistisch motivierte Vernichtungsgedanke ist bei den Faschist_innen nach wie vor verbreitet – menschliches Leben wird aufgrund eines absurden Überlegenheitsgedankens für unwert erklärt und willkürlich ausgelöscht. Es hat sich nichts geändert.
Die zahlreichen Waffenfunde bei Neonazis in den letzten Monaten zeigen zudem, dass die Bereitschaft zum Morden, zur massiven Gewaltanwendung, in den Kreisen der Nationalsozialist_innen eher Regel als Ausnahme ist. Dieser Gefahr gilt es sich an jeder Stelle mit möglichst Vielen entschlossen entgegenzustellen. Dies ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, nicht nur einiger weniger kontinuierlich arbeitender Antifaschist_innen. Unser Fokus ist es, weiter verstärkt Aufklärungsarbeit zu leisten, Menschen in jedem gesellschaftlichen Bereich zu informieren und gegen die faschistische Gefahr zu mobilisieren.

Während das in Potsdam scheinbar zunehmend besser gelingt, besteht in anderen Teilen Europas immer größerer Handlungsbedarf. Wie zuletzt bei den Wahlen in der Ukraine zeigt sich in ganz Europa eine Erstarkung der Rechten bis hin zu offen faschistischen Parteien: Wahlerfolge für Jobbik in Ungarn, die Freiheitspartei in der Ukraine, den so genannten Wahren Finnen… die Liste ließe sich erschreckenderweise noch weit verlängern. Dass es dabei längst nicht bei der Absicht der Erringung der Macht auf parlamentarischem Wege bleibt, zeigt sich deutlich an organisierten Hetzjagden auf Roma in vielen osteuropäischen Ländern. Dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer sozialen Position oder politischen Einstellung und ihrer geschlechtlichen Identität um ihr Leben fürchten müssen, während große Teile der Gesellschaft wegschauen oder die Pogrome sogar befürworten, ist nicht nur anlässlich des Hintergrundes unserer heutigen Gedenkveranstaltung unerträglich. Es darf nie wieder geschehen! Wir dürfen nicht wegschauen, dürfen nicht hinnehmen! Wir dürfen nicht zulassen, dass es eine Einteilung in Betroffene erster und zweiter Klasse gibt. Unsere Solidarität, unser politisches Wirken muss grenzenlos sein.

Die schikanöse Behandlung von Asylsuchenden durch Ämter, Behörden und Mitmenschen in Deutschland muss beendet werden. Schon vor 20 Jahren brannten in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte so in Rostock, Mölln, Solingen und anderen Orten und beinahe täglich wurden und werden Menschen Opfer nazistischer Gewalt. Es darf nicht sein, dass sich offiziell über die Morde der NSU empört wird, und dann rassistisch Verfolgte in die Hände eines mordenden Mobs in einem anderen Land abgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass Nazi-Morde nicht als solche anerkannt werden. Es ist beschämend genug, dass es der Aufdeckung der NSU-Mordserie bedurfte, damit offizielle Stellen überhaupt wieder Bereitschaft zeigen, das Thema zu diskutieren. Es ist ein Skandal dass die Nazigewalt von bundesdeutschen Behörden verharmlost, gedeckt und sogar mitfinanziert wurde. Wir fordern eine sofortige Anerkennung der Nazi-Morde seit 1990. Wir wollen, dass endlich die ehrliche Erkenntnis einsetzt, dass Nazis, egal in welchem Gewand sie auftreten, lebensgefährlich für eine freie und offene Gesellschaft sind und bekämpft werden müssen – mit allen notwendigen Mitteln!

[a]alp

Gedenken an die Novemberpogrome 1938

Gedenkveranstaltung am 9. November

Die [a] antifaschistische linke potsdam veranstaltet anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November um 18 Uhr eine Gedenkkundgebung am Platz der Einheit.
Wir möchten mit der alljährlich stattfindenden Veranstaltung auf die Opfer des Naziregimes aufmerksam machen. In der Reichspogromnacht brannten jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen nieder.
Die Nazis kamen am 15. September 2012 nach Potsdam mit dem eigentlichen Ziel durch die Innenstadt zu laufen. Aufgrund des antifaschistischen Engagements konnte der Aufmarsch der NPD verhindert werden. Auch am 5. Oktober kündigten sich die Nationalisten wieder an, um gegen den Flüchtlingsprotestmarsch zu demonstrieren. Das und auch die weiterhin immer wieder auftauchende neonazistische Propaganda zeigt deutlich, dass offensives Entgegentreten wichtig ist.
Deshalb rufen wir alle Antifaschist_innen dazu auf, am 9. November um 18 Uhr am Platz der Einheit mit uns zu gedenken. Neonazistische Aktivitäten sollten nicht verschwiegen, sondern öffentlich gemacht und dem entgegengetreten werden!

80 Jahre ANTIFA

Im KUZE Fr. 19. Okt 20 Uhr

Vor 80 Jahren, am 10. Juli 1932, riefen die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und Teile der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) auf dem Reichseinheitskongress in Berlin die Antifaschistische Aktion gegen den unmittelbar drohenden Faschismus in Deutschland aus. Die Veranstaltung skizziert die Geschichte der historischen Antifaschistischen Aktion und ihre Entwicklung in den 80er, 90er Jahren und heute.

Bernd Langer, beteiligt an der norddeutschen Antifa-Koordination in den 1980er-Jahren, Initiator der kulturpolitischen Initiative Kunst und Kampf (KuK), Mitbegründer der Autonomen Antifa (M) und der AA/BO (Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation), ist bis heute politischer Aktivist und Autor diverser Bücher, die sich mit den revolutionären Bewegungen in Deutschland auseinandersetzen.

Anschließend gilt es dieses Jubiläum ausgiebig zu feiern! Mit DJanes Rocko Diamant, Schnapsikofski & Kalli Krawalli (all-time favourites, punk, ska).

Im KUZE (Hermann-Elflein-Straße 10) Freitag 19. Okt 20 Uhr Punkt!

http://theyshallnotpass.blogsport.eu/

Kiezspaziergang gegen Nazis

Potsdam: Nazipropaganda bei Antifa-Rundgang im Schlaatz entfernt / NPD-Demo am 15. September soll „mit allen Mitteln“ verhindert werden

Heute, am 19.08.2012, versammelten sich zum wiederholten Mal ca. 30 Antifaschist_innen zum Kiezspaziergang, diesmal im Potsdamer Stadtteil Schlaatz.
Dieser wurde ausgewählt, weil es dort in letzter Zeit vermehrt zu neonazistischen Aktivitäten kam. So versuchten am 15. Mai zwei Personen erst erfolglos in das Asylsuchendenheim einzudringen und griffen danach an der nahe gelegenen Straßenbahnhaltestelle eine_n Afghanin_en an. Während des Auftritt der letzten Band beim Stadtteilfest am 2. Juni stürmte ein Mitte 20-jähriger Mann aus einer 5- bis 6-köpfigen Gruppe auf die Bühne und grüßte „alle freien Nationalisten Potsdams mit einem kräftigen Sieg Heil“ und am 12. Juli zeigten drei 29- bis 41-Jährige aus einer 15-köpfigen Gruppe heraus mehrfach den Hitlergruß und schrien „Heil Hitler“.
Während des Spaziergangs wurden Nazisticker, vor allem der rechten Hooligan-Gruppierung Crimark entfernt, Flyer an Anwohner_innen verteilt und der Stadtteil mit hunderten Antifa Aufklebern verschönert.
Danach ging es weiter nach Waldstadt II. Dort wurden ebenfalls dutzende Nazisticker entfernt und eigene Sticker verklebt.
Doch es gibt weiterhin viel zu tun gegen Nazis in Potsdam. So will am 15.09.2012 die NPD aufmarschieren. Dies gilt es entschlossen mit allen Mitteln zu verhindern. Auch die Nazis der freien Kameradschaften sind weiterhin vor allem mit nächtlichen Aktionen aktiv. Deshalb handeln statt wegschauen! Nazipropaganda entfernen, bei rechten Übergriffen eingreifen und diese melden!
Keinen Fußbreit den Faschisten!

antifa_united Potsdam

Infoveranstaltung zu Rostock-Lichtenhagen am 17.08.12 im Archiv

Im Jahr 1992 tobte sich in Rostock-Lichtenhagen vier Tage lang ein gewalttätiger deutscher Mob an Migrant_innen aus. 20 Jahre später leben wir in einem Land, in dem es möglich war, dass Nazi-Terrorist_innen unbehelligt mindestens zehn Menschen, darunter neun Migrant_innen, ermorden. Sämtliche Strafverfolgungsbehörden konzentrierten sich darauf, die Opfer zu Tätern zu machen und im „kriminellen Ausländermilieu“ nach den Verantwortlichen zu suchen. Die Klammer für beide Ereignisse: Rassismus. Damals wie heute herrscht er in weiten Teilen der Bevölkerung, in Politik und Institutionen. Darum ruft ein bundesweites Bündnis aus Antifagruppen, Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Vereinen und anderen Organisationen zu einer antifaschistischen Demonstration am 25. August auf.

Mit einer Infoveranstaltung am 17.08.2012 geben uns Vertreter_innen der Kampagne „Rassismus tötet“ um 19 Uhr im Archiv einen Überblick über die Entwicklung des Rassismus von 1992 bis heute und mobilisieren zu der bundesweiten Demonstration am 25.08.12 in Rostock.

Wir freuen uns euch dort zu sehen und gemeinsam am 25.08. nach Rostock zu fahren!

Weitere Info auch unter: http://rassismus-toetet.de/termine/25-26-aug-2012-demo-in-rostock/ und http://www.lichtenhagen.net/

5.-12.05. Veranstaltungen und Konzert zum Tag der Befreiung

Veranstaltungsreihe „8. Mai – 67 Jahre Tag der Befreiung“ in Potsdam vom 05.05. bis zum 12.05.2012

Erinnerung statt Schlußstrich – Zeitzeugenveranstaltung zur Befreiung Potsdams
05.05.2012, 16:00 Uhr , Studentisches Kulturzentrum KuZe Potsdam (Hermann-Elflein-Straße 10)

Massen waren Mitglied in der NSDAP, befürworteten den Krieg und wussten von den Vernichtungslagern. Doch wie sah es konkret in Potsdam aus? Wie fand der Tag der Befreiung hier statt?
All eure Fragen könnt ihr einer der letzten Zeitzeuginnen stellen.
Sie hat in Nowawes gelebt und dort auch die Befreiung miterlebt. Sie wird von ihren Erlebnissen berichten und auch aus ihrem Buch vorlesen.

Infoveranstaltung zur Bücherverbrennung
10.05.2012, 19 Uhr, Buchladen Sputnik Potsdam (Charlottenstr.28)

„[…]dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Heinrich Heine

Am 10. Mai 1933 fanden in vielen deutschen Universitätsstädten Bücherverbrennungen statt. Student_innen wollten so den „undeutschen Geist“ bekämpfen.
Doch wer waren überhaupt die Autor_innen, welche Rolle spielten sie in der Widerstandsbewegung und wer erinnert sich heute noch an sie?
All dies wollen wir zusammen klären. Kommt vorbei zum Lesen, Hören und Diskutieren: am 10.05.2012, dem Tag des (be)frei(t)en Buches, 19 Uhr im Sputnik.

Soli-Konzert und Party zur Befreiung vom Faschismus und zur Finanzierung heutiger Antifa-Arbeit in Potsdam
12.05.2012, 20 Uhr, Archiv Potsdam (Leipziger Straße 60)

Wer nicht feiert, hat verloren!

Die Zerschlagung des deutschen Faschismus – ein Grund zum Feiern! Dies wollen wir mit euch gemeinsam am 12.05.12 ab 20 Uhr im Archiv tun! Es gibt Befreiungsspiele, VoKü, kleine Rätsel, und natürlich Musik:

Es spielen: Enraged Minority, Respect My Fist und eine Überraschungsband

Danach Disco mit DJane KALLI KRAWALLI (Alltime, Punk, wilde Mischung)

und außerdem am 8.Mai Antifaschistischer Filmtag im Thalia Kino (Babelsberg)