Nie wieder Krieg – nie wieder Preußen – nie wieder Faschismus!

Am 21.03.2013 jährt sich der „Tag von Potsdam“ zum 80. Male. Das Foto des Handschlags von Hitler und Hindenburg ist weltweit bekannt und symbolisiert das Bündnis zwischen dem NS-System und dem nationalkonservativen Preußen.Bis heute prägt dieses Bild den Symbolgehalt der 1945 nach einem Bombardement der Stadt Potsdam ausgebrannten Garnisonkirche, deren Ruine auf Betreiben Walter Ulbrichts 1968 gesprengt wurde.

Die Befürworter des Wiederaufbaus betonen immer wieder, dass der „Tag von Potsdam“ nur einen kurzen Zeitraum in der Geschichte der Kirche einnahm. Doch es war kein Zufall, dass am 21. März 1933 die Potsdamer Garnisonkirche als Kulisse für den Händedruck zwischen Reichspräsident Hindenburg und dem gerade erst zum Reichskanzler ernannten Adolf Hitler diente. Die Nazis konnten auf einen bereits existierenden Symbolgehalt der Garnisonkirche zurückgreifen, der sich für eine öffentlichkeitswirksame geschichtspolitische Legitimierung ihrer Herrschaft außerordentlich gut eignete.

Wesentliche Elemente der militaristischen preußischen Staatsdoktrin fanden ihre Kontinuität in der NS-Ideologie. Das Trauma des verlorenen 1. Weltkriegs teilte die wilhelminischen Oberschicht mit den Nazis – der Versailler Vertrag und die Demokratie waren beiden zuwider. Der Obrigkeitsstaat Preußen bedurfte jener unkritischen Einstellungen seiner BürgerInnen, die uns heute als „preußische Sekundärtugenden“ bekannt sind. Goethe konstatierte lange vor dem Nationalsozialismus: „Vor die Wahl gestellt zwischen Unrecht und Unordnung, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht“. Der NS-Staat griff mit dem „Tag von Potsdam“ auf diese Werte zurück. Die preußischen Sekundärtugenden erwiesen sich als jene Eigenschaften, mit denen ebenso gut ein Konzentrationslager betrieben werden kann.

Mittlerweile haben die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg und die Evangelische Kirche eine Stiftung und einen Förderverein zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gegründet. Von den anfänglichen Versicherungen, die benötigten 100 Millionen durch Spenden aufzubringen – aber auch von Nagelkreuz und Versöhnungskonzept – rückten die Aufbauprotagonisten immer weiter ab. So wurden 2,2 Mio aus den Mitteln der ehemaligen Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) bereitgestellt. Weitere Zuschüsse erfolgten aus Lotto-Mitteln des Landes, durch die kostenlose Übertragung des Grundstücks oder verdeckt durch die Verlegung der Breiten Straße.

Inzwischender ist der öffentliche Druck durch die Gründung der BI „Potsdam ohne Garnisonkirche“ und den Erfolg des Vorschlages „Kein städtisches Geld für die Garnisonkirche“ im städtischen Bürgerhaushalt gestiegen. Stadt, Land und Kirche erklärten, dass sie kein weiteres Geld für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. In dieser Situation fordert Bischof Huber, die Garnisonkirche zu einem Projekt von „nationaler Bedeutung“ zu erklären und aus Bundesmitteln zu finanzieren.

Die Potsdamer Garnisonkirche war bereits lange vor dem Tag von Potsdam am 21. März 1933, was sie noch heute ist: ein Symbol des militaristischen Staates Preußen, ein Symbol für Militarismus und Krieg, für deutschen Größenwahn und Chauvinismus. Eine moderne Stadt im 21. Jahrhundert benötigt keine Wahrzeichen der preußischen Militärmonarchie. Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist kein Akt der Versöhnung, sondern verwischt geschichtliche Zusammenhänge und Prozesse. Niemand braucht die Garnisonkirche!


Kundgebung:

Donnerstag, 21.03. 17-19 Uhr

Breite Str./Dortustr.


AGITPROP-AKTION GEGEN DEN WIEDERAUFBAU DER GARNISONKIRCHE