80 Jahre Antifaschistische Aktion

Am 19.10.12 fand im Studentischen Kulturzentrum eine Veranstaltung von Bernd Langer anlässlich des 80jährigen Jubiläums der Antifaschistischen Aktion statt. Das bot uns den Anlass die Entwicklung von den 20er Jahren an bis heute zu betrachten. Auf Grundlage des Vortrags wollen wir eine kleine Analyse der Bewegung heute im Rückblick auf die Vergangenheit wagen.

Wandel des Begriffs

Während der Begriff Faschismus in den 20er Jahren mit Kapitalismus (im Sinne der KPD) gleichgesetzt wurde und eher Kampfbegriff als Ideologie darstellte, charakterisierte Dimitrow 1934 Faschismus als die extremste Form kapitalistischer Ausbeutung. Aus der im Juli 1932 gegründeten Einheitsfront Aktion wurde später die Antifaschistische Aktion, welche heute verbindendes Element aller Antifagruppen ist.
Nach dem Nationalsozialismus wird der Begriff heute viel mehr auch mit Rassismus, Antisemitismus, Verfolgung und Krieg assoziiert und bekämpft.
Der Antikapitalismus ist eine weitere Grundlage antifaschistischen Engagements.
Unsere antifaschistische Arbeit heute ist mit dem Ziel verbunden, eine unterdrückungs- und ausbeutungsfreie Gesellschaft zu schaffen. Auf dem Weg dorthin stellen Rassismus, Sexismus, Kapitalismus usw. Hindernisse dar, die überwunden werden müssen. Das schließt den Kampf gegen Nazis genauso wie die Auseinandersetzung mit Mackern mit ein.

Nazis bekämpfen damals und heute

Während in den 30er Jahren Saalschlachten und militante Aktionen auf der Tagesordnung standen, werden heute oft gesellschaftlich eher anerkannte Alternativen wie z.B. Blockaden oder ziviler Ungehorsam genutzt, um Massen zu mobilisieren und sich Nazis in den Weg zu stellen. Militanter Antifaschismus hat trotz alledem vor allem im Selbstschutz gegen Nazis und Zerstörung ihrer Infrastruktur nach wie vor Relevanz.

Natürlich herrscht heute nicht mehr der gleiche Druck wie in den 30er Jahren die Straße zu beherrschen oder unterzugehen. Dennoch ist antifaschistische Arbeit weiterhin notwendig. Das beweisen nicht nur die Morde der NSU, alltäglich stattfindende Übergriffe auf Linke, Migrant_innen und Obdachlose, sondern auch NPD-Kundgebungen am Potsdamer Hauptbahnhof, Fackelmärsche von Nazis durch Waldstadt oder aber der jeden Tag stattfindende Alltagsrassismus.

Die etwa 1978 erstmals gegründeten Recherchegruppen und ihre heutigen Vertreter_innen leisten gute Arbeit und bilden einen Eckpfeiler antifaschistischen Engagements.

Probleme

In der Auseinandersetzung mit dem Faschismus und Kapitalismus verfolgte die KPD in den 20er/30er Jahren die Einheitsfrontpolitik. Diese hatte nicht das Ziel einer gleichberechtigten Zusammenarbeit mit der SPD, sondern sollte den Anschluss an die KPD erleichtern. 1924 entwickelte Grigori Sinowjew die Sozialfaschismusthese in Folge dessen eine Zusammenarbeit mit sozialdemokratischen Parteien für Angehörige der Komintern ausgeschlossen wurde. Dies und auch die lange Unterschätzung der Nazis verhinderte eine rechtzeitige gemeinsame Intervention. Als problematisch erwies sich hierbei zudem die hierarchische Struktur der Parteien und Befehlgebundenheit des Einzelnen. Nach Aufhebung der Sozialfaschismusthese 1935 bewies die Unterstützung der Volksfront im Spanischen Bürgerkrieg, dass eine Zusammenarbeit möglich war.

Das Ausmaß der staatlichen Repression gegenüber der KPD reichte (auch unter Regierungsbeteiligung der SPD) von Parteiverboten über Verhaftungen bis hin zum Mord. Vom Blutmai 1929, wo 33 Menschen starben, sind wir zwar heute weit entfernt, dennoch wurden mit den Paragraphen 129 StGB neue Instrumente zur weiteren Verfolgung politischer, insbesondere antifaschistischer Gruppen geschaffen.
Darüber hinaus setzt sich die Kontinuität staatlicher Verstrickung mit den Nazis bis heute fort. Sie reichte von Übereinstimmung im Nationalsozialismus, zur Förderung und Weiterbeschäftigung von Nazis in der DDR und vor allem der BRD bis hin zur Unterstützung der NSU durch den Verfassungsschutz aktuell.

Heute ist eine außerparlamentarische antifaschistische Opposition in mehreren bundesweiten Zusammenschlüssen wie der IL und Ums Ganze organisiert. Des Weiteren gibt es lokal gut arbeitende Bündnisse in den einzelnen Bundesländern.
Versuche in den 80ern und 90ern bundesweite Organisationen zu schaffen, scheiterten zum großen Teil an inhaltlichen oder persönlichen Konflikten. Mobilisierung von vielen Menschen ist vor allem bei lang angekündigten und breit beworbenen Großevents möglich. Auch gibt es heute wieder eine gute Zusammenarbeit antifaschistischer Genoss_innen mit anderen Bewegungen, so dass die Grenzen z.B. zur Antiatom- oder Gentrifizierungsbewegung zum Teil fließend sind. Leider sind gerade an kontinuierlicher Arbeit immer weniger Menschen interessiert und auch für Einzelaktionen lassen sich nicht immer viele mobilisieren. Die im Vergleich zur damaligen KPD mangelnde organisatorische Eingebundenheit und inhaltliche Ernsthaftigkeit erschwert vor allem kleineren Gruppen die Arbeit.

Fazit

Die antifaschistische Bewegung ist nach wie vor gesellschaftlich interventionsfähig. Lokale und deutschlandweite Naziaufmärsche können seit einigen Jahren immer wieder behindert oder verhindert werden. Leider gibt es auch einen breiten Teil der sogenannten alternativen Szene, der sich vor allem durch einen ähnlichen Bekleidungsstil und ein gemeinsames Partybedürfnis zusammenfindet und nicht aufgrund politischer Organisation.
Allgemeine Unzufriedenheit und Protest in einem begrenzten Rahmen sind alltäglich, reichen aber nicht aus für eine Veränderung der Gesellschaft.
80 Jahre Antifaschistische Aktion sollen nicht mit uns enden. Mit dem Ziel einer unterdrückungsfreien Gesellschaft vor Augen wollen wir nicht „nur“ gegen Nazis, sondern auch für eine bessere Alternative kämpfen. Wir sollten uns die Entschlossenheit, Kontinuität und Einsatzbereitschaft unserer Vorgänger_innen als Beispiel nehmen, um weiter für unser Ziel zu streiten!

Freiheiten werden nicht erbettelt, sondern erkämpft!

mehr Infos auch in der Broschüre: „80 Jahre Antifaschistische Aktion“ von Bernd Langer, Hrsg.: Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur