Bei Sexismus hört die Freundschaft auf

Antifa heißt: Definitionsmacht anerkennen!

Sexismus und sexualisierte Übergriffe sind auch in unseren Kreisen weit verbreitet und nicht so selten wie vielleicht einige denken. Diesen Zustand gilt es zu ändern!
Um Betroffene zu unterstützen, Menschen zu sensibilisieren und um Täter auf ihr übergriffiges Verhalten aufmerksam zu machen und dieses zu unterbinden, haben wir uns entschlossen einen kleinen Leitfaden für den Umgang mit sexistischen Anmachen und sexualisierter Gewalt zu schreiben. Diese Punkte sind nicht die letzte Wahrheit, doch sie können eine erste Richtlinie darstellen.
Doch Achtung! Sexismus beginnt wesentlich eher als bei übergriffigen Verhalten oder gar Gewalt, z.b. tagtäglich in unseren Beziehungen, in der Werbung, auf der Arbeit, in der Schule, an der Uni und auf der Straße. Und vor allem, Sexismus beginnt bei Dir selbst!
Deshalb: Achtet aufeinander, fragt nach Grenzen eures Gegenübers und beachtet diese. Seid solidarisch und unterstützt Menschen, die von Sexismus und sexualisierter Gewalt betroffen sind! Für eine unterdrückungsfreie Welt!

Leitlinien für die Antisexistische Praxis:

Schreitet ein bei sexistischen und sexualisierten Übergriffen.

Fragt bei unklaren Situationen wie es der Betroffenen geht. Lieber einmal zu viel gefragt als einmal zu oft weggesehen.

Besprecht euch mit Freund_innen und greift gemeinsam in Situationen ein.

Unterstützt parteilich die Betroffene und erkennt ihre Defintionsmacht an, das heißt, dass nur die Betroffene allein entscheidet, ob und inwiefern ihre Grenzen verletzt wurden.

Vermeidet öffentliches Breittreten geschehener Übergriffe, dies kann für Betroffene und auch für andere Menschen eine Retraumatisierung bedeuten.

Setzt die Forderungen der Betroffenen, soweit es für euch möglich ist, durch.

Wenn es durch die Betroffene gewünscht ist, bildet eine Unterstützungsgruppe und unterstützt sie.

Wenn ihr von einem Vorfall hört und unterstützen möchtet, versucht erst mal die Unterstützungsgruppe der Betroffenen anzusprechen. Oftmals ist es für die Betroffene sehr anstrengend und unangenehm auf Partys oder Veranstaltungen immer wieder auf den Vorfall angesprochen zu werden und kann im schlimmsten Fall eine erneute Traumatisierung auslösen.

Beschäftigt euch regelmäßig (auch selbstreflexiv) mit Sexismus und sexualisierter Gewalt, nicht erst, wenn es schon zu Übergriffen gekommen ist.

Vermeidet Tätern, nur weil sie aus eurem Freundeskreis kommen mehr zu glauben als der Betroffenen. Die Definitionsmacht hat die Betroffene!

Beachtet auch eure eigene Definitionsmacht! Ihr müsst nicht mit Tätern auf Partys tanzen, weil die Betroffene keine Hausverbote wünscht. Aber wichtig: Übergeht die Betroffene nicht, besprecht euer Verhalten in bestimmten Situationen und informiert die Betroffene und ihre Unterstützer_innen und handelt in ihrem Interesse!

Wenn ihr dem Täter helfen wollt, konfrontiert diesen mit seinem scheiß Verhalten und versucht ihn für eine Auseinandersetzung zu sensibilisieren. Verdeutlicht ihm, dass einzig der Wille der Betroffenen zählt und er diesen zu respektieren und umzusetzen hat.

Distanziert euch von eventuell stattfindenden Wahrheitsgremien durch Täterschützer_innen. Niemensch kann nachempfinden, wann für die Betroffene Grenzen überschritten wurden, das kann nur die Betroffene selbst. Warum sollte sie also mit sinnfreien Nachfragen weiter traumatisiert werden und sich in der Beweispflicht fühlen.

Falls die Betroffene Schutzräume wünscht, macht dies gegenüber dem Täter deutlich. Falls er sich nicht daran halten will, besprecht dies mit den entsprechenden Einrichtungen und setzt den Wunsch der Betroffenen durch. Versucht ggf. den Fall zu anonymisieren und nur den Täter zu benennen.

Antisexistische Praxis ist eine Grundlage für einen solidarischen Umgang miteinander. Setzt euch dafür ein und handelt danach!

No means No!
Yes means Yes!