Gelebte Toleranz zum Friedrich-Geburtstag

Am 24. Januar 2012 fanden sich mehrere Aktivist_innen im Park
Sanssouci ein, um die Feierlichkeiten zum 300jährigen Geburtstag des
Despoten Friedrich II. kritisch zu begleiten.
Als die Ersten gegen 8.50 Uhr die Kranzniederlegung führender
Brandenburger und Potsdamer Politiker mit einer satirischen Aktion
untermalen wollten, wurden sie sofort durch das riesige Aufgebot von
Polizei, LKA-Beamten und des Sicherheitsdienstes der Schlösserstiftung
des Platzes verwiesen. Sie wurden von der Veranstaltung geschubst und
erhielten für den Park Aufenthaltsverbote.
Einer Person wurde der Rucksack mit zwei Tetrapaks Milch wegen
angeblicher ?Sicherheitsgefährdung? für die Länge seiner Teilnahme an
der Veranstaltung abgenommen.

Als gegen 11 Uhr die langen Kerls, eine Abteilung alter Herren von
Burschenschaften und Heimatverbänden in den Park einmarschierten, um
ihrem König zu huldigen, versuchten Aktivist_innen Transparente zu
zeigen und mit Musik gegen den preußischen Taumel zu demonstrieren.
Dauraufhin griffen mehrere Teilnehmer des Aufzuges die
Demonstrant_innen mit Fahnenstöcken an, zogen ihnen an den Haaren,
nahmen Menschen in den Schwitzkasten und versuchten so den
friedlichen Protest zu verhindern.
Mit Beschimpfungen à la ?Ihr seid doch alle krank?,
?Sozialschmarotzer? und Bedrohungen wie ?Man sieht sich immer zweimal
im Leben? pöbelte der Mob der ?toleranten? Preußenfans. Ebenso wurden
Teile der Musikanlage geklaut.
Danach verteilte die Polizei auf Anweisung der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten großzügig Platzverweise für den Park und es wurde
eine Anzeige gegen eine Preußenkritikerin wegen angeblichen Diebstahls
aufgenommen.
Wieder einmal zeigte sich, dass es im sogenannten Friedrich-Jahr nicht
um eine reflektierte Auseinandersetzung mit Geschichte geht, sondern
um die heroisierende Darstellung Friedrich II. als Mustermonarchen,
bekannten Aufklärer und Menschenfreund.

So sieht sie aus, die gelebte preußische Toleranz!

Menschen, die eine Auseinandersetzung mit Geschichte einfordern und
versuchen auch andere Aspekte des Lebens Friedrich II. zu beleuchten,
werden angegriffen und versucht, mundtot zu machen.
Doch wir lassen uns nicht einschüchtern und werden das
Preußenspektakel weiter kritisch begleiten. Wir haben kein
Verständnis, dass in einer bürgerlichen Demokratie einem Monarchen
gehuldigt wird, die Toten der Kriege Preußens vergessen und die
Geschichte Preußens von allen Gräueln reingewaschen werden.
In diesem Sinne: Preußen bleibt Scheisse! Fuck off Fritz!

Bündnis Fuck off Fritz!

APAP veröffentlicht Chronik neonazistischer Aktivitäten in Potsdam und Umgebung für den Zeitraum Juli bis Dezember 2011

Chronik neonazistischer Aktivitäten in Potsdam und Umgebung für den Zeitraum Juli bis Dezember 2011

Die Chronik als PDF-Download

Nachdem Anfang Dezember zahlreiche Fotos von vermeintlichen Demonstrant_innen, eines Spaziergang gegen Rechts, auf der Internetseite der „Freie Kräfte Potsdam“ auftauchten, kommen bei einigen Antifaschist_innen Erinnerungen an das Jahr 2003 auf, in dem die „Anti-Antifa Potsdam“ mit einer sogenannten „Outing-Seite“ für Schlagzeilen sorgte. Dies zeigt einmal mehr, dass auch in der zweiten Jahreshälfte die Potsdamer Neonazis in der Landeshauptstadt nicht untätig gewesen sind. Die Quantität sowie die Qualität der Aktivitäten ist noch immer erschreckend.

Seit geraumer Zeit machen Antifaschist_innen darauf aufmerksam, dass in Potsdam vermehrt Bedrohungen, Einschüchterungen und gewalttätige Übergriffe durch Neonazis stattfinden.1 Diese Tendenzen und Angaben können auch für die zweite Jahreshälfte bestätigt werden. Gleich mehrere solcher Taten ereigneten sich in den vergangenen Monaten. Vor allem der Übergriff auf einen alternativen Jugendlichen in der Innenstadt, am Platz der Einheit, verdeutlicht einmal mehr, wie sicher sich Neonazis zurzeit in Potsdam fühlen und bewegen können, so dass es ihnen möglich ist skrupellos auf Jugendliche einzuschlagen.2
Im Stadtteil Babelsberg sind Potsdamer Neonazis ebenfalls aktiv. Vermutlich waren sie es, die im November 2011 den Gedenkstein für den ermordeten Kommunisten Herbert Ritter auf dem Babelsberger Friedhof beschädigten. Nur einen Tage später wurde ein alternativer Jugendlicher von Neonazis in Babelsberg attackiert. Er wurde beleidigt, geschlagen und – bereits am Boden liegend – getreten.3

«FKP» bleiben zentrale Akteure – NPD scheintot – «AJP» tot

Bei den organisierten Strukturen gibt es schon seit geraumer Zeit die Tendenz, dass sich die “Freie Kräfte Potsdam” (FKP) als zentraler Akteur für den Raum Potsdam herausstellen. Diese sind in der zweiten Jahreshälfte vor allem durch ihre Internetseite virtuell präsent, auf welcher sie regelmäßig Aktionsberichte und neonazistische Hetzartikel veröffentlichen. Dazu kommen mehrfach Aktionen im Rahmen der „Volkstod“-Kampagne 4 oder zu Anlässen, wie dem Todestages des Naziverbrechers Rudolf Heß 5. Die „FKP“ betreiben ebenfalls „Anti-Antifa“ Arbeit und versuchen mit der Veröffentlichung von Fotos,Menschen die gegen Neonazis demonstrieren, einzuschüchtern. Damit wollen sie ihre Hegemonie im Stadtteil Waldstadt verdeutlichen und festigen .6

Sie sind es auch, die die „Werde Unsterblich“- Aktionen in Waldstadt und Babelsberg, sowie das Gedenken an den Nazi Herbert Schweiger im Potsdamer Park Sanssouci, organisierten und durchführten. Ebenso sind sie für den Fackelmarsch am 9. November verantwortlich, bei dem ca. 30 bis 50 Neonazis durch Waldstadt zogen. Dass so ein Aufmarsch in der Landeshauptstadt möglich wurde, ist die Folge einer zunehmenden Aktivität und Professionalisierung der neonazistischen Szene und im Besonderen der „FKP“. Weiterhin tragen ein mangelndes Problembewusstseins und fehlende Konsequenzen seitens der Stadt und der Zivilgesellschaft dazu bei. Aber auch die antifaschistische Szene Potsdams muss in diese Kritik einbezogen werden, ihr (Nicht-)Handeln reflektieren und nach neuen Konzepten suchen.

Neben den „FKP“ sind die weiteren Neonazistrukturen aktuell nicht präsent. Die “Alternative Jugend Potsdam” (AJP) trat lediglich beim Gedenken für den Nazi Rudolf Heß durch Schablonensprühereien in Erscheinung. Die Ortsfraktion der NPD ist seit dem Austritt ihres Stadtverbandsvorsitzenden Marcel Guse inaktiv. Die darauf folgende Mandatsniederlegung im Stadtparlament, aufgrund seines Umzugs nach Wittbrietzen, kann nicht als Schwächung der Szene bewertet werden. Guses Funktion und Kontakte werden weiterhin für die Potsdamer Neonazis von Bedeutung sein. Veröffentlichte Daten, die von seinem Handy stammen, verdeutlichen seine tiefe Verankerung in die bundesweite Neonaziszene.

Demoteilnahme – lieber einzeln oder mit neuem Label, statt in alten Gruppen

Insgesamt kann keine konsequente Teilnahme einer Potsdamer Neonazigruppierung an Aufmärschen in diesem Jahr festgestellt werden. Es sind immer wieder Einzelpersonen, die gute Kontakte in bestimmte Städte und Regionen pflegen.
Am 15.07.2011 wird das Label “Sektion Potsdam” erstmals als Signatur auf einem Transparent auf einer Neonazi-Demonstration in Berlin-Neukölln genutzt. Dieser Gruppenname wurde bereits 2009 auf neonazistischen Aufklebern verwendet, die in der Potsdamer Innenstadt zu finden waren. Abgebildet war ein Gewehr wie auch der Schriftzug “Antifa Hunter”.

Gerade nach den jüngsten Vorfällen ist von einer Schwächung der Neonazi-Szene nicht zu sprechen. Im Gegenteil, sie bedient sich immer dreisteren Methoden und Aktionsformen um ihre Vormachtstellung in bestimmten Stadtgebieten zu manifestieren.
Die Potsdamer Zivilgesellschaft, linke Gruppen und Antifaschist_innen sollten weiterhin und verstärkt dafür einstehen, dass Neonazis keine Möglichkeit einer Ausbreitung und gewaltvollen Durchsetzung ihrer menschenverachtenden Ideologie haben.

Juli

09.07.2011 – In der Nacht zum Samstag hetzen mutmaßlich Neonazis im Potsdamer Hauptbahnhof einen Hund auf einen antifaschistischen Jugendlichen (Quelle: ND)

09.07.2011 – Neonaziaufmarsch in Neuruppin. Auch einige Potsdamer Neonazis sind anwesend. (Quelle: APAP)

15.07.2011 – Die “FKP” machen ihre zweite Aktion im Rahmen der “werde-unsterblich” Kampagne in Potsdam. Dieses Mal tauchen sie auf dem Parkplatz des Toom-Baumarktes im Stadtteil Babelsberg auf. Dort rufen sie Parolen und schmeißen Papierschnipsel mit Werbung für die Kampagne umher. (Quelle: APAP, “FKP”)

15.07.2011 – Neonaziaufmarsch in Berlin Neukölln. Benjamin Oe. sowie weitere mutmaßliche Potsdamer Neonazis nehmen an der Veranstaltung teil. Dabei führen sie ein Transparent mit der Aufschrift “Aufmucken gegen Links – antifaschistische Strukturen aufdecken & zerstören – Sektion Potsdam” mit sich. (Quelle: APAP)

16./17.07.2011 – Zwei Örtlichkeiten der Partei “Die Linke” werden von mutmaßlichen Neonazis beschmiert. An das Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Scharfenberg in der Galileistraße Am Stern schreiben die Täter_innen den Slogan „Volksverräter“. An die Landesparteizentrale in der Alleestraße werden die Schriftzüge „Nationaler Widerstand Berlin“ und „Rudolf Heß“ angebracht. (Quelle: PNN)

19.07.2011 – In Fahrland wird ein alternativer Jugendlicher von zwei mutmaßlichen Neonazis als „scheiß Zecke“ beschimpft, anschließend wird der Betroffene mehrfach geschubst und daraufhin bedroht, dass er „auf’s Maul“ kriege. (Quelle: APAP)

Mitte Juli suchen Neonazis der “FKP” das neu eröffnete Gelände des “freiLand” auf. Einge Tage später veröffentlichen diese darüber einen propagandistischen Bericht mit Fotos auf ihrer Homepage. (Quelle: “FKP”)

23.07.2011 – In Fahrland wird ein alternativer Jugendlicher von drei vermutlichen Neonazi angepöbelt, dass er „lieber aufpassen“ solle bzw. er sich „mit den Falschen angelegt“ habe. (Quelle: APAP)

29./30.07.2011 – Die Potsdamer Neonaziband „Preussenstolz“ spielt auf einem „Zeltwochenende“ der Naziszene in „Südwestdeutschland“.
Desweiteren treten auf: „Torstein“, „MG42″, „12 Golden Years“, „Projekt W“, „Ragnar“ und „Selektion“. (Quelle: Oire Szene)

August

06.08.2011 – Am Abend kommt es gegen 23:30 Uhr in der Potsdamer Innenstadt, genauer am Platz der Einheit, zu einem Naziangriff auf einen alternativen Jugendlichen. Dabei wird der Betroffene, von einer ca. 8 bis 10-köpfigen Gruppe von Neonazis, von seinem Fahrrad gerissen und am Boden liegend mehrfach in den Bauch getreten. (Quelle: APAP)

13.08.2011 – Zwei Neonazis fotografieren die Teilnehmer_innen einer Streetparade im Rahmen des “Schöner Leben!”-Festivals. (Quelle: APAP, Organisator_innen des Festivals)

13.08/14.08.2011 – Das Straßenschild der Brandenburger Straße wird mit einem Aufkleber überklebt und damit in “Rudolf-Hess-Straße” symbolisch umbenannt. (Quelle: PNN)

16.08.2011 – In Waldstadt sowie im Ortsteil Fahrland tauchen zahlreiche Sprühschablonen und Parolen bezüglich des Todestag des Naziverbrechers Rudolf Heß auf. (Quelle: APAP)

17.08.2011 – Am Morgen wird im Bus 609 von Fahrland in die Innenstadt ein alternativer Jugendlicher von ca. fünf mutmaßlichen Neonazis mit der Aussage, dass er sich „mal langsam zusammenreißen“ solle, bedroht. Darüber hinaus wird er mehrfach als „scheiß Zecke“ beschimpft. (Quelle: APAP)

17.08.2011 – Neonazis stellen Kerzen und ein Bild des Naziverbrechers Rudolf Heß am Zaun eines Potsdamer Friedhofs auf. (Quelle: APAP)

29.08.2011 – In Fahrland wird ein alternativer Jugendlicher, der auf dem Heimweg einen Neonaziaufkleber entfernte, unter „Verpiss dich”-Rufen von mehreren vermutlichen Neonazis mit Steinen beworfen. (Quelle: APAP)

September

14.09.2011 – Die Initiative “Brandenburg (Havel) nazifrei!” teilt mit, dass der Geograph Moritz van der Meulen zur Zeit an der Universität Potsdam den Masterstudiengang „Geoinformation und Visualisierung“ studiert. Van der Meulen gilt als “Ortsgruppenleiter” der NPD Brandenburg/Havel. (Quelle: Brandenburg (Havel) nazifrei!)

Oktober

03.10.2011 – Der Ruf „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“ wird zum Ausgangspunkt eines Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen einen Mann, der am Abend einen Notruf tätigte. Dieser will beobachtet haben, wie ein “Bekannter” von ihm als “Scheiß Nazi” bezeichnet und geschlagen wurde. (Quelle: PNN)

Mitte Oktober posieren die “FKP” mit einem Transparent und Fackeln vor dem Schloss Sanssouci in Potsdam. Anlass ist der Tod von Herbert Schweiger, eines bedeutenden neonazistischen Publizisten und ehemaligen Waffen-SS Mitglied. Unter den Neonazis befinden sich die bekannten Potsdamer Neonazis Mirko K., Thomas P., Dennis H. und Carsten S. (Quelle: “FKP”)

November

05.11.2011 – Neonazikonzert in Sachsen mit „Preussenstolz“, „Plan B“, „Blutzeugen“, „Asatru“ und „Exzess“. Es sollen laut einschlägiger
Neonaziforen 250-300 Neonazis vor Ort gewesen sein. (Quelle: Oire Szene)

09.11.2011 – Die “FKP” veranstalten am späten Abend in Waldstadt einen Fackelmarsch. Daran beteiligen sich ca. 30 bis 50 Neonazis, welche neben den Fackeln auch weiße Masken tragen. Ihren eigene Angaben zufolge wurde dafür der Polizeifunk abgehört um einen möglichen Polizeieinsatz einschätzen zu können. (Quelle: APAP, PNN)

11.11./12.11.2011 – Der Gedenkstein für den Kommunisten Herbert Ritter auf dem Friedhof Babelsberg wird beschädigt. Unbekannte schlagen mehrere Löcher in die Inschrift des Steines. (Quelle: Ultras Babelsberg, APAP)

13.11.2011 – Drei Neonazis greifen mit den Worten “Hey du scheiß Zecke,” in Babelsberg in der Nähe des “Findling”, einen alternativen Jugendlichen an, schlagen und treten ihn. (Quelle: APAP)

22.11.2011 – Die “PNN” berichtet, dass Marcel Guse (zuletzt parteilos, davor NPD) sein Mandat für das Potsdamer Stadtparlament niedergelegt hat. (Quelle: PNN)

22.11.2011 – In Fahrland wird gegen Abend eine Gruppe Jugendlicher von einem offensichtlich betrunkenen erwachsenen Mann zuerst angepöbelt und anschließend, unter der Androhung von Schlägen, gegen den Willen der Betroffenen durchsucht. Dazu drückt der Täter einen der Jugendlichen gegen einen Zaun und greift in mehrere Jackentaschen. Dabei entdeckt er einige Antifaaufkleber, welche er dem Jugendlichen wegnimmt. (Quelle: APAP)

28.11./29.11.2011 – Das Verbandsauto von Linksjugend [’solid] wird beschädigt. Unbekannte zerstören Scheiben und Karosserieteile des Autos mit Stahlkugeln.(Quelle: Linksjugend [’solid])

29.11/30.11.2011 – In Babelsberg tauchen in der Uhlandstraße und der Fontanestraße mindestens 50 Neonaziaufkleber auf. Motive sind unter anderem die “Volkstod”-Kampagne der “FKP” wie auch “summer of hate” der “Anti-Antifa Potsdam”. (Quelle: APAP)

Dezember

03.12.2011 – Mindestens ein Potsdamer Neonazi beobachtet eine Demonstration des Bündnisses “Potsdam bekennt Farbe” in Waldstadt. Er fertigt Fotografien von den Versammlungsteilnehmer_innen an. (Quelle: APAP, Antifa Westhavelland, PNN)

05.12.2011 – Auf der Website der “FKP” werden Fotos von vermeintlichen Teilnehmenden des Stadtteilspaziergangs in Waldstadt veröffentlicht. Verantwortlich dafür soll der Potsdamer Neonazi Gabor G. sein. (Quelle: “FKP”, ARPU)

1
http://aalp.blogsport.de/2011/06/26/weiterhin-nazigewalt-in-potsdam/
http://apap.blogsport.eu/2011/04/16/6_uebergriffe_in_kurzer_zeit/
http://apap.blogsport.eu/2011/07/01/chronik-neonazistischer-aktivitaten-in-potsdam-und-umgebung-fur-den-zeitraum-januar-bis-juni-2011/
2
http://apap.blogsport.eu/2011/10/05/wieder-nazigewalt-in-potsdam-angriff-auf-alternativen-jugendlichen-in-der-innenstadt/
3
http://apap.blogsport.eu/2011/11/18/neonazis-prugeln-auf-jugendlichen-ein-und-zerstoren-gedenkstein/
4
http://arpu.blogsport.eu/2011/04/19/die-demokraten-bringen-uns-den-volkstod/
5
http://apap.blogsport.eu/2011/08/22/%C2%ABhesliches-potsdam%C2%BB-neonazipropaganda-zum-todestag-von-rudolf-hes/
6
http://arpu.blogsport.eu/2011/12/07/potsdamer-neonazis-veroffentlichen-wieder-fotos-von-vermeintlichen-antifaschist_innen/

Demonstration gegen Polizeikongress

Fight capitalist war – Fight capitalist peace !
Gegen die Perfektionierung staatlichen Mordens

Immer wieder werden wir durch kleine Randnotizen in der Zeitung an das Machtmonopol des Staates erinnert; in drei Sätzen zusammengefasste Pressemeldungen der Polizei über einen ihrer tödlichen Einsätze.
Manchmal findet tödliche Polizeigewalt ein Echo in der autonomen Szene und selten genug gelingt es in der Gesellschaft ein unbehagliches Fragezeichen zu hinterlassen.
In letzter Zeit wurden allerdings vermehrt Menschen von der Polizei getötet, die nicht völlig vereinzelt lebten. Vor allem durch ihr soziales Umfeld entstanden Ansätze von Widerstand, z.B. in den Fällen von Oury Jalloh, Dennis J. oder Slieman Hamade.

Nun veranstalten Behörden, Regierungsvertreter, Politiker und Firmen zwei Kongresse in Berlin, die das staatliche Morden perfektionieren sollen.
Zuerst vom 31. Januar bis 02. Februar 2012 die “International Urban Operations Conference“.
Auf dieser Konferenz sollen Erfahrungen aus militärischer und paramilitärischer Aufstandsbekämpfung in Kriegsgebieten ausgewertet und weiterentwickelt werden. Die Veranstalter gehen davon aus, dass sich Szenarien aus städtischen Konflikten in Kabul, Bagdad oder Mogadischu auch in Europa ereignen können.

Danach findet vom 14. bis 15. Februar 2012 der 15. Internationale Polizeikongress statt. Hier wird seit Jahren an einer Koordinierung von Polizeibehörden und Sicherheitsfirmen gearbeitet, die sich auf Grund ihrer Gefährdungsanalysen ständig weiter vernetzen.

Der Zusammenhang zwischen dem Polizeibeamten, der hier bei uns im Einsatz tötet und diesen beiden Kongressen ist vielseitig.
Die Polizei in Deutschland tötet im Verhältnis zu ihrer Personalstärke und zur Bevölkerungszahl weniger Menschen als beispielsweise die französische, italienische oder spanische Polizei.
Dafür sind ihre Tötungstechniken vielfältiger und grausamer,
wie Verbrennen, mit Brechmittel ertränken oder mit Pfefferspray vergiften.
Länder mit Polizeieinheiten, die auch paramilitärische Funktionen haben wie die Guardia Civil in Spanien und die CRS in Frankreich, bzw. sowohl im Inland wie im Ausland kombinierte Einsätze mit dem Militär führen wie die Carabinieri in Italien, töten häufiger und schneller bei Routineeinsätzen. Eine militarisierte Ausbildung
führt zu rücksichtsloserer Gewaltanwendung der Beamten.
Genau diesen Weg schlägt auch Deutschland ein.
Durch den Einsatz von Militärpolizei gegen somalische Fischer oder durch die Aufstellung von Auslandshundertschaften der
Bundespolizei und dem Entsenden von Beamten der Bereitschafts- Kriminal- und Schutzpolizeien in fast alle aktuellen Kriegsgebiete als Ausbilder oder zum Schutz deutscher Interessen, entsteht ein großer Pool an Beamten mit Kriegserfahrung.

Wie werden Beamte der Berliner 23. Ehu oder der Blumberger Bundespolizei auf Demonstrationen in Berlin reagieren, wenn sie vorher Demonstrationen in Kunduz mit Handgranaten niedergeschlagen haben?

Wie sehen Vernehmungen eines LKA Beamten aus, der in Tripolis oder Bagdad Folter als normalen Polizeialltag kennengelernt hat?

Wie laufen Festnahmen ab, wenn der Beamte vorher bei den Feldjägern oder beim KSK war?

Die bewusste Vermischung von polizeilichen und militärischen Aufgaben, Einsätzen und Ausbildungen wird notwendigerweise die ohnehin geringe moralische Hemmschwelle von Polizisten weiter reduzieren.
Die „International Urban Operations Conference“ wird also nicht nur Leichenberge in den Slums afrikanischer oder asiatischer Großstädte produzieren sondern auch uns in Berlin oder Hamburg mit einem soldatisch agierenden Polizeiapparat konfrontieren.

Um diese härtere Gangart gut an die Öffentlichkeit vermitteln zu können und um die dafür notwendigen Verbindungen zwischen den unterschiedlichsten Sicherheitsbehörden und Firmen der Privatwirtschaft zu perfektionieren ist der “Internationale
Polizeikongress“ ein wichtiger Termin für die Vertreter der Tötungsindustrie.
Lobbyisten bieten dort Produkte an für die Regierungsvertreter entsprechende Gesetze erarbeiten. Sei es der Nacktscanner oder der Taser, bei diesem Kongress wird besprochen welche Personengruppen in ihren Genuss kommen.

Wir finden uns nicht damit ab, das durchgeknallte Polizisten in unseren Straßen und Parks das Feuer auf vermeintliche Straftäter_innen eröffnen.
Wir wollen keinen ausgebildeten Folterknechten oder traumatisierten Soldaten bei unseren Demos begegnen.
Wir bezahlen nicht die Profite von Firmen die Pfefferspray, Handschellen oder Taser produzieren.
Wir finden uns weder damit ab, das Menschen aus Afrika vor ihren Stränden als “Piraten“ versenkt werden noch das sie vor unseren Stränden als “Schleuser“ ertränkt werden und auch nicht das sie in deutschen Polizeistationen verbrennen oder in deutschen Jobcentern erschossen werden.

Deshalb, International Urban Operations Conference
und Internationalen Polizeikongress verhindern!

Demonstration am
Samstag, 28. Januar 2012 um 16:00
Herrfurthplatz – Berlin Neukölln/ U 8 Boddinstr.

Zugtreffpunkt für Potsdam: 14:45 Uhr Potsdam Hbf an der Info.

Die „fünfte Jahreszeit“

Hallo Antifaschist_innen.

Die „fünfte Jahreszeit“ hat begonnen: Die Nazis planen erneut im
Februar 2012 zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens aufzumarschieren.
Auch die Vorbereitungen für die Gegenaktivitäten des bundesweiten
Bündnisses „Nazifrei! Dresden stellt sich quer!“ laufen. Gleichzeitig
sind wir – nach wie vor – mit den „Nachwirkungen“ der erfolgreichen
Blockaden am 19. Februar 2011 in Form von Repression und Überwachung
konfrontiert.

In diesem Kontext findet eine Veranstaltung in Berlin statt, zu der wir
euch herzlich einladen. Neben einem Überblick und einer Einschätzung zur
Repression erwartet euch dort eine Auseinandersetzung mit der
politischen Situation in Sachsen und ihren Hintergründen. Thema sind
außerdem die Pläne des Bündnisses Dresden nazifrei und warum es wichtig
ist, auch 2012 wieder nach Dresden zu fahren. Auf dem Podium sprechen
Sven Richwin (Anwalt), die Initiativegruppe „Sachsens Demokratie“, Caren
Lay (DIE LINKE) und Henning Obens (Interventionistische Linke).

Die Veranstaltung SACHSEN DREHT FREIstaat findet statt
am Dienstag, 13.12.2011
um 19.00 Uhr
im Festsaal Kreuzberg (Skalitzer Str. 130, U-Bhf. Kottbusser Tor).

Wenige Tage später gibt es zudem eine Soliparty für Repressionskosten
im Zusammenhang mit dem 19. Februar 2011. Dort werden leckere Getränke,
die Möglichkeit zum netten Plausch und Unterhaltungsmusik von DJ Shurug
und Shurug (Trash), DJane Molly Girrrl (HipHop / Trash) und DJ
Anachronism (schlimmer als Autoscooter) geboten.

Die Party findet statt
am Samstag, 17.12.2011
ab 22.00 Uhr
im Hausprojekt Braunschweiger 54 (Braunschweiger Str. 54, S-Bhf.
Neukölln).

Veranstaltung und Party sind Teil der Kampagne SACHSEN DREHT FREIstaat,
über die ihr euch unter sachsendrehtfreistaat.blogsport.de informieren
könnt. Sie werden von der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) und dem
Berliner Koordinationskreis des Bündnisses „Nazifrei! Dresden stellt
sich quer!“ organisiert.
Im Koordinationskreis haben sich Gewerkschaften, Parteien, verschiedene
Initiativen und Antifa-Gruppen für die gemeinsame Mobilisierung nach
Dresden zusammengeschlossen. Per Mail erreicht ihr uns unter
berlin@dresden-nazifrei.com.

Wir würden uns freuen, euch am 13. und 17. Dezember zu sehen!

Bis dahin mit antifaschistischen Grüßen
vom Berliner Koordinationskreis

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu
machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen
angehören, bzw. der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind oder bereits
in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige
menschenverachtende Äußerungen aufgefallen sind, den Zutritt zur
Konferenz zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.

Spätbarocke Dekadenz

Aktivist_innen stören Richtfest der Landtagsbaustelle

Mit Zwischenrufen, Transparenten und Pappschildern machten die Gegner_innen des Stadtschlosses am Donnerstag auf sich aufmerksam. Die Protestierenden wollen keinen Prunkbau in der Mitte der Stadt und versuchen sich gegen die Verdrängung aus der Innenstadt zu wehren. „Bald kann sich hier keine_r mehr die Mieten leisten“ so auch Lisa Müller von der Initiative „Recht auf Stadt“. Auch die Bürgerinitiative für den Staudenhof war vertreten. Der Plattenbau am Alten Markt soll in den nächsten Jahren abgerissen werden. Die Bewohner_innen finden das unverständlich, da dies einer der wenigen Bauten in der Stadt ist, wo sie sich die Miete noch leisten können. Ihr Transparent „Wir wollen leben in der Innenstadt“ wurde später von einer scheinbar militanten Stadtschlossbefürworterin kurzerhand zerrissen.

Insgesamt hatten sich Tausende Menschen am Alten Markt versammelt, um dem Richtfest beizuwohnen. Anhand einer Lasershow wurde ein kurzer Abriss über die Geschichte des Stadtschlosses gegeben, in dem mal eben zwei Weltkriege unterschlagen wurden und die wichtige Rolle, die auch die Stadt Potsdam darin hatte.
Der kurze Abriss findet sich auch in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ vom 25.11.11 wieder:

„[…]Zwischen 1744 und 1753 erhielt das Schloss nach Plänen des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff seine endgültige äußere Gestalt. Später diente es den preußischen Königen und späteren deutschen Kaisern als Sitz. Nach der Abdankung des Kaisers 1918 hatte das Stadtschloss seinen Zweck verloren. Bereits seit 1910 befand sich hier ein Museum. Weitere Nutzer waren Arbeitsamt, Stadtverwaltung und Magistrat. Am 14. April 1945 brannte das Schloss nach einem Luftangriff aus. Es wurde 1959 auf Beschluss des SED-Politbüros gesprengt.[…] “

Was vor 1945 war, schien in der Geschichte des Stadtschlosses offenbar keine Rolle zu spielen.

Die Rede vom Oberbürgermeister Jann Jakobs bezog sich neben eifrigem Lob an die großzügigen Spender auch auf eine Abstimmung von 2007, in der die Mehrheit der Potsdamer_innen sich für einen Stadtschlossneubau ausgesprochen haben soll. Hier kann nur zum wiederholten male darauf hingewiesen werden, dass die Abstimmung sich einzig auf den Standort bezog und nicht auf ein generelles JA oder NEIN. Und ein noch viel gravierender Punkt: Nicht die Mehrheit, sondern 42,8 Prozent stimmten für den Alten Markt, weitere 41 Prozent stimmten für andere Standorte und ca. 7 Prozent der Befragten war es schlichtweg egal. Eine Umfrage, ob 135 Millionen Euro nicht vielleicht eher in Bildungseinrichtungen, Jugendclubs, Suppenküchen, Kitas oder eben in bezahlbares Wohnen in Potsdam gesteckt werden sollten, ergäbe sicher etwas konkreteres.

Fotos von der Aktion Folgen

5.-10.12. Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

[a]alp empfiehlt:

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie vom 5.-10. Dezember 2011 an der Universität Potsdam

Mit den Aktionstagen wollen wir auf die Problematiken Sexismus und Homophobie aufmerksam machen und gleichzeitig für diese Themen sensibilisieren. Ein weiteres zentrales Anliegen der Aktionstage ist das Empowerment von Betroffenen sexistischer und homophober Diskriminierung.

Sexismus?!

Eigentlich will vieles so erscheinen, als wäre die Gleichberechtigung der Geschlechter schon erreicht. Es gibt kaum Berufsfelder, von denen Frauen formal ausgeschlossen sind, unter Studierenden sind Frauen sogar leicht überrepräsentiert, deshalb verwundert es, dass Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft trotzdem massiv unterrepräsentiert sind. Unter den Vorstandsposten der führenden Unternehmen befinden sich nur 2,2% Frauen. Der Verzicht auf Führungspositionen wird häufig als individuel-le Entscheidung von Frauen dargestellt. Doch verdeckt die Individualisierung dieser Phänomene strukturelle Probleme und Ungleichheiten. So lasten die Reproduktionsaufgaben dieser Gesellschaft, wie Kindererzie-hung und Hausarbeit, immer noch hauptsächlich auf den Schultern der Frauen. Jede_r, der/die jemals mit Kindererziehung zu tun hatte, weiß, dass diese Aufgaben nicht so eben nebenbei zu erledigen sind. Damit auch Frauen gleiche Partizipationsmöglichkeiten haben, müssten diese Arbeiten auf die gesamte Gesell-schaft verteilt werden.

gesellschaft macht geschlecht

Schon von kleinauf werden wir in feste Geschlechterrollen sozialisiert, die uns auf eine klar männliche oder weibliche Identität festlegen. Menschen, die diesen Kategorien nicht entsprechen, haben in der Gesellschaft keinen Platz und müssen ihr Leben lang gegen Ausgrenzung ankämpfen. Transgender, also Menschen, die ihre zugeschriebene Geschlechtsidentität wechseln, werden in Deutschland immer noch pathologisiert und gelten als psychisch krank. Auch offen homosexuell lebende Menschen sind immer noch von Diskriminierung betroffen, oft aus dem Grund, dass Homosexualität von vielen heterosexuellen Menschen als Angriff auf die eigene Geschlechtsidentität wahrgenommen wird.

Doch auch wer seine/ihre Identität als Mann/Frau nicht in Frage stellt, wird mit Stereotypen konfrontiert, die das Äußern von Gedanken und Gefühlen und dementsprechend auch Handlungsmöglichkeiten einschränken. So gilt das Zeigen von Schwäche und Verletzlichkeit in unserer Gesellschaft als unmännlich. Bei Frauen wird dagegen dominantes und selbstsicheres Auftreten als unweiblich klassifiziert. Dies zeigt sich auch an den Universitäten, in denen männlich sozialisierte Menschen oftmals Diskussionen dominieren, auch sind 70% der Professuren von Männern besetzt. Sexismus äußert sich an der Universität Potsdam auch in Form von Werbung, wie Partyflyern und Werbegeschenken, die sich an den gängigen Schönheitsidealen und Geschlechterstereotypen orientieren: Die passive, schlanke Frau und ihr starker, muskulöser männlicher Beschützer. Wer mit den halbnackten, schlanken, durchtrainierten Menschen nicht mithalten kann, fühlt sich schnell nicht mehr wohl in seinem Körper.

Die Hetze gegen eine Gleichberechtigung der Geschlechter und Maßnahmen zur Herstellung von Chancengleichheit, wie das Gender Mainstreaming, haben in den letzten Jahren auch an der Uni Potsdam zugenommen, zum Beispiel durch konservative Hochschulgruppen, aber auch durch populistische, pseudowissenschaftliche Veröffentlichungen und Veranstaltungen.

Was tun?

Sexuelle Belästigungen und Übergriffe, als krasseste Form des Sexismus, sind auch an unserer Uni Teil der Realität. Dem gilt es sich entschlossen entgegen zu stellen und für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, dies beginnt oft schon im eigenen Bewusstsein.

Beteiligt euch an den Aktionstagen! Lasst euch nichts gefallen und greift ein, wenn ihr Zeug_innen von Diskriminierung oder Grenzüberschreitungen werdet!
Let’s fight sexism and homophobia! Für freies L(i)eben überall!

Veranstaltungen:

Auftaktveranstaltung zu den Aktionstagen gegen Sexismus und Homophobie
05.12.11, 20.00-22.00 Uhr, KUZE Theatersaal, Potsdam

Sexismus und Homophobie. Kein Thema an der Universität Potsdam?! Wie steht es um die Gleichstellung und Chancengleichheit von Frauen und Männern an der Universität Potsdam? Was macht eigentlich eine Gleichstellungsbeauftragte? Gibt es homosexuelle Professor_innen, mit welchen Problemen sind sie konfrontiert? Wer ist eigentlich „queer up“? Wozu braucht der AStA ein Referat für Geschlechterpolitik?
Was bedeutet eigentlich gender mainstraming? Brauchen wir Frauenquoten? Was kann ich gegen sexistische oder diskriminierende Werbung an der Uni machen? Diese Themen und Fragen möchten wir gerne im Rahmen der AStA- Montagskultur mit euch diskutieren. Dazu haben wir verschiedene Akteur_innen der Hochschulen in Potsdam eingeladen.
Referent_innen (angefragt):
- AStA der Uni Potsdam
- zentrale u. dezentrale Gleichstellungsbeauftragte
- Hochschulgruppe „queer up“
- Mitarbeiter_innen Lehrstuhl Geschlechtersoziologie
- Koordinationsbüro für Chancengleichheit Uni Potsdam
- Büro für Chancengleichheit der FH
- Ausstellungsgruppe „Sexismus in der Werbung“

Sexismus und Feminismus – Was hat das mit mir zu tun?
06.12.11, 18.00-20.00 Uhr, 03.06.S13 (Griebnitzsee)

Wir sind alle gleichberechtigt. Jede Frau kann was erreichen, wenn sie gut genug ist. Feminismus, das ist doch ein alter Hut. Jetzt sind mal die Männer dran. Dieser ganze Gender-Kram ist doch langweilig.
Das siehst du auch so? Oder ganz anders? Und du fragst dich, was Sexismus und Feminismus mit deinem Uni-Alltag zu tun haben? Egal, welches Geschlecht du hast, egal, wie viel Ahnung du hast – in diesem Workshop sind alle willkommen, die Lust haben zu diskutieren, zu streiten und neue Perspektiven zu entdecken.
mit Melanie Ebenfeld, Gender Trainerin
www.gender-education.de

Lass mich doch mal ausreden!
07.12.11, 18.00 – 21.00 Uhr, 03.06.S15 (Griebnitzsee)

Anleitung zur Überwindung von Dominanzverhalten
„Master suppression techniques“ nennt die Sozialwissenschaftlerin Berit Ås Methoden, mit denen Frauen insbesondere in Plenums- und Organisationssituationen, aber auch in harmlosen Gesprächen unterdrückt werden. Dabei geht es auch darum, wie Menschen systematisch aus Informationsketten herausgehalten werden, damit Cliquen und Männerbünde sich (unbewusst) reproduzieren können. Wir stellen die 5 wichtigsten Techniken vor und möchten anschließend mit euch ins Gespräch kommen, wie wir alle im Alltag darauf reagieren können.

„Feministischer Aktivismus im Netz“
08.12.11, 16.00-20.00 Uhr, 01.08.075 (Neues Palais)

Der Workshop „Feministischer Aktivismus im Netz“ soll allen Teilnehmer_innen einen Überblick über Formen und Inhalte herrschaftskritischer Praxen im Internet geben. Gemeinsam wollen wir erkunden, wie sich queer-/feministischer Widerstand im Netz artikuliert, welche Chancen und Grenzen die vorgestellten Konzepte haben. Gleichzeitig bietet der Workshop die Möglichkeit, Tools kennen zu lernen, um an den vorgestellten Politikformen zu partizipieren: egal, ob selbst produzierend, still konsumierend oder nach Impulsen für eigene Politikformen außerhalb des Internets suchend. Der Workshop richtet sich an alle mit grundsätzlichem Interesse, ein bestimmter Wissensstand wird nicht vorausgesetzt.
mit Nadine Lantzsch, Autor_innenkollektiv des feministischen Blogs Mädchenmannschaft http://maedchenmannschaft.net

Selbstbehauptungsseminar für fmt*
09.12.11, 16.00-19.00 Uhr, 01.12.K25 (Neues Palais)

Dieses Seminar richtet sich nur an frauen mädchen trans*.Das Selbstbehauptungsseminar setzt sich aus verschiedenen Techniken aus unterschiedlichen Kampfsportarten zusammen. Der Fokus liegt nicht darin,
nach dem Training die Technik perfekt zu beherrschen, sondern seine_ihre Kraft und Fähigkeit sich zu wehren kennen zu lernen, die Angst vor typischen Konfrontationssituationen gemeinsam anzugehen, auch seine_ihre
Grenzen einschätzen zu lernen und vielleicht mal mehr zu geben, als mensch es bisher von sich vermutet hat. Außerdem soll das Seminar Raum bieten für kritischen Austausch zu geschlechtsabhängigem Körperverhalten und -wahrnehmung und zur Rolle von Geschlecht im (Kampf)Sport.
Um eine Anmeldung unter: info@femarchiv-potsdam.de wird gebeten.

Ausstellung „Sexismus in der Werbung“
05.-9.12.11, 03.01.F104 – Lichthof (Griebnitzsee)

Die 2006 entwickelte Ausstellung wurde letztes Jahr als Wanderausstellung neu aufgelegt. Nun ist sie für die Zeit der Hochschulaktionstage im Foyer des Hauses 1 auf dem Campus in Griebnitzsee zu sehen. Hier werdet ihr skurriles, blödes, aufregendes und meist eben einfach nur sexistisches aus der Plakatwerbung der letzten Jahre sehen und viele nützliche Infos und Texte gereicht bekommen. Um die übliche Präsentation von Werbung nicht zu reproduzieren, wurden die Bilder in kleinem Format auf große Blätter gedruckt. Als kommt vorbei und seht genau hin.
mehr dazu: http://sexiststuff.blogsport.eu/

10.12.11, ab 20:00 Uhr, Abschlussparty im KUZE

Veranstalter_innen:
AK Aktionstage
AStA Uni Potsdam

aktuelle Infos unter:
http://www.asta.uni-potsdam.de/
http://www.facebook.com/astaup
http://twitter.com/astaup

Potsdamer Neonazis verhöhnen Opfer der Novemberpogrome

Bereits am späten Mittwochabend wurde bekannt, dass sich in der Potsdamer Waldstadt etwa 40 Faschist_innen versammelten. Nachdem sie einige Zeit lang mit Fackeln bewaffnet und rechte Parolen grölend umherzogen, war der Spuk vor Ort zwar nach wenigen Minuten wieder vorbei. Doch die Wirkung der Tatsache, dass Potsdamer Neonazis an einem 09. November mit Fackeln anlässlich der Brandstiftungen an deutschen Synagogen 1938 ungestraft durch die Straßen unserer Stadt ziehen, ist beschämend für Potsdam.
Auf ihrer Internetseite „infoportal-potsdam“ rühmen sich die Faschist_innen ihrer Aktion. Offenkundig radikalisieren sich Potsdamer Jung-Nazis mit pseudomilitärischem Gehabe, es ist von „Gruppenführer[n]“, „Marschordnung“, „Anweisung[en]“ und „Disziplin“ die Rede, zudem wird unverhohlen mit der angeblichen Überwachung des Polizeifunkverkehrs posiert. [1]

Inhaltlich nehmen die Nazis dort zwar Bezug auf den dilettantischen Putschversuch, den Hitler mit anderen deutschen Faschisten 1923 unternahm. Doch eine Passage des dort veröffentlichten Textes, die die antisemitischen Pogrome 1938 als „Lüge“ bezeichnet [1], offenbart den eigentlichen Anlass des rechten Spuks: Die Verhöhnung der Opfer und des Gedenkens der Novemberpogrome.

Trotzdem offizielle Stellen der Stadt monate- und jahrelang Warnungen und Belege antifaschistisch engagierter Gruppen ignoriert und sogar verharmlost haben [2], gibt es in der Waldstadt offenbar aufmerksame und engagierte Bürger_innen, die den Naziaufmarsch nicht einfach hingenommen haben. Das verdient großes Lob und weitere Unterstützung. Wir rufen antifaschistisch gesinnte Menschen vor Ort auf, auch in Zukunft nicht zuzusehen, wenn rechte Parolen gegrölt, Naziaufkleber verklebt werden oder Übergriffe auf Andersdenkende stattfinden. Organisieren Sie sich kurzfristig mit Nachbarn und Freunden, brüllen Sie den Nazis Ihre Ablehnung entgegen, schlagen Sie mit Kochgeschirr am Fenster Lärm und rufen Sie Hilfe herbei. Es gilt, den Faschisten deutlich und entschlossen klarzumachen, dass sie und ihre Parolen in Potsdam keinen Platz haben.

Kein Stadtteil, keine Straße, kein Fußbreit den Faschisten!

[1] http://infoportal-potsdam.net/ak147.html
[2] http://www.pnn.de/potsdam/492239/?

Gedenkveranstaltung zum 9.November

Gestern am 9.November 2011 Uhr versammelten sich um 18.00 auf Einladung der „Antifaschisten Linken Potsdam“ rund 50 Menschen am Platz der Einheit um an die Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, als auch der Novemberrevolution von 1918 zu gedenken.
Dabei wurden mehrere Reden verlesen und eine Gedenkminute für die Opfer der Nazidiktatur abgehalten sowie Kerzen und Blumen am Denkmal für die Opfer des Faschismus niedergelegt. Das Gedenken findet nunmehr seit mehreren Jahren statt und soll die Erinnerung sowohl an das Grauen der Nazizeit als auch an die Kämpfe für eine bessere Gesellschaft lebendig halten. Das dies mehr denn je nötig ist, zeigen die erneuten Anschläge auf das Falkenhaus in Berlin-Britz.

Antifaschistische Linke Potsdam
www.antifa-potsdam.de

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Redebeitrag: 9. November heißt auch mahnen:

Der 9.November darf für uns nicht nur ein Tag sein, der uns die Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung vor Augen führt. Der 9. November ist auch Symbol für die Barbarei. Wie auch hier in Potsdam wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November überall in Deutschland jüdische Einrichtungen, Synagogen und Menschen angegriffen. Staatlich gelenkte Pogrome unter massiver freiwilliger Beteiligung der deutschen Bevölkerung gaben
einen Ausblick auf die Schrecken des Holocaust und des Krieges, die noch kommen sollten.
Doch dieser Tag war nicht der Anfang von Erniedrigung und Diskriminierung. Schon kurz nach der Machtübernahme 1933 durch die Nazis wurden Gesetze in Deutschland erlassen, die erlaubten Menschen jüdischen Glaubens oder Menschen, die durch die so genannte „Rassenlehre“ zu Juden deklariert wurden auszugrenzen, zu bestehlen und zu demütigen. Die Pogrome kennzeichnen den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung, die zum Holocaust führte, also dem Mord an 6 Mio. Menschen, die das nationalsozialistische Regime als Jüd_innen bezeichnete.

Der Hass damals kam schleichend, doch nicht versteckt. Offen wurde schon seit Jahren die Minderwertigkeit von Menschen als Tatsache propagiert. So ist das Mitwirken an den Übergriffen oder Wegschauen aufgrund einer fehlenden Empörung der breiten Bevölkerung nicht verwunderlich, aber umso trauriger.

Erinnern an den 9. November 1938 muss für uns auch heißen die weiteren Folgen zu benennen. Nichts darf verharmlost, nichts verklärt werden: es war ein Massenmord an Millionen von Menschen in einer Maschinerie der Konzentrations- und Vernichtungslager, durch Beihilfe von Einheiten der Wehrmacht, Polizei und SS, aber auch der „normalen Bevölkerung“.

Ebenso muss das Wegschauen, das „nichts gewusst haben wollen“, benannt werden. Denn damit fängt es an. Wenn wir zulassen, dass heute wieder Menschen beschimpft, herabgewürdigt, geschlagen oder ermordet werden, haben wir vergessen, was damals passierte.
Die Lehre aus der Geschichte muss für uns sein Widerstand zu leisten! Aufstände im Warschauer Ghetto, Treblinka, Sobibór und Auschwitz, Widerstandsgruppen in Bialystok und Vilnius, Partisan_innen, die Sabotageaktionen gegen Eisenbahntransporte verüben, Untergrundorganisationen wie die Rote Kapelle aber auch das Verstecken von Untergetauchten sollten uns als Beispiele dienen. Im Angesicht des Todes haben Menschen, unter ihnen 1,5 Millionen Jüd_innen, sich aktiv am Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft beteiligt.

Seit 1990 sind über 150 Menschen durch neue Nazis allein in Deutschland ermordet worden. Direkt nach der so genannten „Wiedervereinigung“ gab es in vielen deutschen Städten Pogrome und alltägliche Gewalt gegen Migrant_innen, jüdische Friedhöfe, Linke oder alternative Jugendliche.
Diese wurden häufig nicht durch staatliche Intervention, sondern durch Gegenwehr von Antifaschist_innen bekämpft. Es erfordert all unsere Kraft das Erinnern aufrecht zu erhalten, Parallelen aufzuzeigen und das Widererstarken der Neonazis zu bekämpfen. Nur eine entschlossene Abwehr von Übergriffen auf Menschen und Projekte und konsequentes Zurückdrängen nazistischer Ideologie mit allen uns möglichen Mitteln sowie der Schutz von Betroffenen können den heutigen Widerstand erfolgreich machen.

Wir müssen weiter wachsam bleiben und bei der wichtigen Auseinandersetzung über die Widersprüche der Gesellschaft auch immer die Gefahr der Barbarei im Auge behalten.

Wir dürfen nicht vergessen, was passiert ist!

Betroffenheit lässt uns schweigen, aber Kampfgeist aufblicken.

[a]alp

Antifaschistische Linke Potsdam

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Redebeitrag: Gedenken Novemberrevolution

Wir haben uns heute, am 9. November, wie schon die vergangenen Jahre, hier am Platz der Einheit, am Denkmal für die Opfer des Faschismus versammelt, um einen Moment inne zu halten.
Einen Moment, Menschen und Geschehnissen der Vergangenheit zu gedenken, an diese zu erinnern.
Heute jährt sich zum 93. Mal die Novemberrevolution von 1918. Doch warum erinnern? Was haben diese Menschen von damals mit uns gemeinsam? Was verbindet uns mit ihnen? Sie sind ein Teil von uns, denn sie sind unsere Geschichte. Einer langen und oft blutigen Geschichte der linken Bewegung.
Sie waren die Ersten, die im 20. Jahrhundert in Deutschland versuchten, die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu beseitigen und das Zusammenleben aller Menschen grundlegend zu verändern. Inspiriert von dem Gedanken der Solidarität, der sozialen Gleichheit und dem Willen nach Frieden nahmen damals am 9. November 1918 tausende progressive Menschen den Kampf gegen das alte monarchistische System und der sie unterstützenden kapitalistischen Machteliten auf.
Sie organisierten sich in basisdemokratischen Räten und kämpften für eine Idee der Neugestaltung der Gesellschaft auch mit der Waffe in der Hand. Sie hatten erlebt, wie für die Interessen der Monarchen und die Logik der Gewinnmaximierung Millionen auf den Schlachtfeldern massakriert wurden und beendeten diesen Irrsinn mit ihrem Kampf. Ihr Sieg hätte die Geschichte Europas ja wahrscheinlich der ganzen Welt langfristig entscheidend verändern können. Doch es kam anders. Als der Krieg beendet war, eroberte die Konterrevolution, Hand in Hand mit großen Teilen der rechten Sozialdemokratie wieder die Macht, mordete tausende Revolutionäre oder sperrte sie ein. Der Gedanke der Revolution sollte getötet, die Idee, dass eine Gesellschaft, in der der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt gesellschaftlichen Handelns steht, sollte vernichtet werden. Kapitalismus als höchste menschliche Entwicklungsstufe? – Heute wissen wir es wieder besser! Der Kampf Jede_r gegen Jede_n, der totale Konsum, die Ausbeutung des Menschen, der Natur und ihrer Ressourcen, die Unterdrückung des Willens vieler zum Wohle weniger, der Hunger von Millionen und die Maßlosigkeit einiger sind keine Konzepte für die Folgezeit. Wir stehen schon seit langem an einem Punkt der Geschichte, an dem sich die Zukunft der Menschheit entscheidet! „Sozialismus oder Barbarei!“ wie Engels schon sagte, ist die Entscheidung unserer Generation. Die Regierungen unserer Zeit und auch die bestehende Wirtschaftslogik bietet keine Möglichkeit die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen, sie führt geradewegs in eine Sackgasse. Es gilt damals wie heute um andere Verhältnisse zu streiten! Nicht mit Wahlen! Denn diese bieten nur eine Auswahl innerhalb des bestehenden Systems. Wir brauchen aber eine radikale Veränderung: Auf der Straße, in den Unis, den Betrieben, den Schulen! Wir müssen die Aphatie des Einzelnen in den Enthusiasmus von vielen verwandeln, Kämpfe vereinen, selbst bestimmen. Daher ist der Blick auf unsere Geschichte, die Geschichte der kämpfenden Bewegung so wichtig. Sie ermöglicht uns die Relativierung der eigenen Probleme und macht deutlich, dass Widerstand jederzeit, auch hier und jetzt möglich ist!

Lasst uns nicht vergessen, was damals passiert ist!
Eine andere Gesellschaft ist möglich!

[a]alp

Antifaschistische Linke Potsdam

So päpstlich wie der Papst

Über die katholische „Bildungsinitiative“ Arche Potsdam
„Alles, was auf Erden ist, soll untergehen.
Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen […]“
(Gott zu Noah, 1. Mose 6,13-18 )

Die Arche Noah ist ein schwimmförmiger Kasten. Laut biblischer Überlieferung baute sie der „Patriarch“ Noah nach Gottes Plänen. Als sie fertig war, scharrte Noah paarungswilliges Getier und seine eigene Familie zusammen und rettete sie vor der von Gott gesandten Sinflut.

An diese Geschichte glauben nicht wenige Menschen. Zum Beispiel eine Gruppe katholischer Christ_innen aus Potsdam, die 1986 auch eine Arche errichteten. Diesmal war es aber kein schwimmfähiger Kasten sondern eine „Bildungsinitiative“ der Peter und Paul-Gemeinde zu Potsdam. „Das thematische Gespräch soll angeregt werden und ist ausdrücklich erwünscht“ [1], so die Initiative auf ihrer Homepage. Anhand der Auswahl religiöser Themen möchten sie den „authentischen“ Glauben der Kirche vermitteln und reflektieren. Auch über andere Überzeugungen soll diskutiert werden. Die „Arche“ vermittelt aber noch weit mehr als das. Neben religiösen Themen werden auch Referent_innen zum Thema Gender Mainstreaming (17.5.11), zum schulischen Sexualkundeunterricht (7.6.11) sowie zu Thilo Sarrazins Thesen (5.7.11) eingeladen. In diesem thematischen Rahmen geben sich streng katholische Christ_innen, homophobe Sexist_innen, Abtreibungsgegner_innen und Rechtspopulist_innen die Hand.

„Der Schlüssel passt nun mal eben nur ins Schloss.“
(Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz)

Bei einer Veranstaltung der Arche im Mai erklärte die Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht lieben können. „Die gucken sich ja nicht mal an ‚dabei‘“ und wären ohnehin nicht in der Lage die Erfüllung zu erlangen, die ein heterosexuelles Paar beim Sex erzielt. Das gleiche gelte für Selbstbefriedigung. Das eigentliche Thema des Abends war „Gender Mainstreaming. Wesenskern und Anspruch einer Ideologie“, so der Titel. Ein Großteil der Veranstaltung drehte sich jedoch um „die Homosexuellen“. In Stammtischmanier äußerte sich ein Zuschauer: ‚In den islamischen Ländern weiß man wenigstens, wie man mit Schwulen umgeht. Umbringen muss man sie ja nicht gleich aber bestrafen schon.‘ Es ging zwar ein leises Raunen durch die Masse aber eine Positionierung zu dieser menschenverachtenden Aussage blieb sowohl von der Referentin als auch von „Arche“-Mitgliedern aus.

Kein Wunder, denn die Referentin Gerl-Falkovitz selbst ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates vom „Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft“. ‚Das DIJG unterstützt insbesondere Menschen, die unter ihrer Homosexualität leiden‘ [2], schreibt das Institut über sich selbst. In einer „Reparativtherapie“ soll eine Veränderung hin zur Entwicklung eines „heterosexuellen Potentials“ erzielt werden. Die Mitarbeiter_innen gehen davon aus, dass Homo- sowie Transsexualität in jedem Fall psychische Krankheiten und somit auch heilbar sind. Der wissenschaftlich anmutende Internetauftritt des DIJG ist voll von homo- und transphoben Äußerungen. Beiratsmitglied Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz bekam in der „Arche“ ein Podium, um ihre im Kern menschenverachtenden Ansichten zu verbreiten und das leider auch weitgehend kritiklos.

„Die Schaffung des ‚neuen Menschen‘ durch Gender Mainstreaming […] ist eine folgenschwere Missachtung der gottgegebenen Ordnung“
(Inge M. Thürkauf) [3]

Auch die Schauspielerin Inge M. Thürkauf sprach in der „Arche“. Sie referierte zum Werk ihres verstorbenen Mannes Max Thürkauf, ein für seine technikkritische Haltung bekannter Naturwissenschaftler. Inge M. Thürkauf befasst sich vor allem mit dem von ihr so bezeichneten ‚Diktum von Gender Mainstreaming‘. ‚Völlig dem gesunden Menschenverstand zu wider‘ läuft für sie die Idee, dass das soziale Geschlecht zu großen Teilen sozialisiert, statt angeboren (bzw. von Gott gegeben) ist. [4]

Ein viel größeres Podium als die „Arche“ bot ihr 2008 die „Anti Zensur Koalition“ (kurz AZK). Die AZK lädt pseudowissenschatliche Verschwörungstheoretiker_innen bis hin zu Holocaust-Leugner_innen zu ihren Veranstaltungen vor ein beachtliches Publikum und stellt die Reden im Internet frei zur Verfügung. Inge M. Thürkauf hetzte hier vor einem breiten Publikum gegen Homo- und Transsexuelle und erklärte sämtliche Gendertheorien und -praxen als eine Attacke gegen alles, was als „natürlich“ oder „normal“ gilt und insbesondere als einen Angriff gegen die traditionellen Werte der Familie [5]. In Zeitungsartikeln kritisiert sie, dass der Begriff Homophobie denselben Stellenwert hat wie Rassismus oder Antisemitismus. Die „Arche“ scheint diese Äußerungen entweder nicht zu kennen oder es war den Organisierenden einfach egal, ein weiteres Mal eine sexistische und zu tiefst homophobe Referentin eingeladen zu haben.

Vor dem „Genderismus“ warnte auch Pfarrer Francois Reckinger im Juni bei seinem Auftritt in der „Arche“. Der schulische Sexualkundeunterricht nehme den Kindern viel zu früh ihre natürliche Scham und die Schule sei zu einer Propagandaveranstaltung für Kondomkampagnen geworden. Diese nämlich hält Reckinger für den wahren Grund für die Ausbreitung von AIDS. Im Gegensatz zur Ehe seien Kondome ein „löchriger Schutz“ vor der Krankheit. Alles absurde Äußerungen, die unkommentiert stehen blieben. Das Thema Homosexualität dürfe seiner Ansicht nach im Sexualkundeunterricht zwar angesprochen werden, jegliche Wertung solle jedoch den Ethiklehrkräften überlassen bleiben. Für den Pfarrer ist Homosexualität ‚[…] eine schwere Sünde gegen Gott und die von ihm gegebene Schöpfungsordnung‘[6]

Sarrazins Thesen – aufbereitet für die Gemeinde

Auch Burkhard Willimsky, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ in Steglitz-Zehlendorf, durfte in der Chronik der „Arche“-Referent_innen nicht fehlen. Im Juli referierte er dort zur Fragestellung „Schafft Deutschland sich wirklich ab?“ über die Thesen Sarrazins. Er gab Sarrazins pseudowissenschaftliche Statistiken und Modellrechnungen wieder und erläuterte ihre Richtigkeit dem Publikum. Dem für ihn legitimen Wunsch von Sarrazin, `[…]in 100 Jahren noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen, in einem Land, das seine kulturelle und geistige Leistungsfähigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat, in einem Land, das eingebettet ist in einem Europa der Vaterländer […]` schließt sich Burkhard Willimsky an.
Auf die Idee, einen Rechtspopulisten als Referenten zu laden, kann nur eine Gruppe kommen, die diese Ansichten teilt. Die rassistischen Aussagen aus dem Publikum bestätigen diesen Eindruck.

Die Arche ist keineswegs nur ein Raum, in dem bei Kaffee und Kuchen über die Bibel oder die Sonntagspredigt diskutiert wird. Das Gesamtbild der Veranstaltung zeigt wie konservativ, menschenverachtend und rassistisch der Grundtenor ist. Die Veranstaltungen werden vom Publikum nicht kritisch begleitet sondern mit Stammtischparolen untermahlt.

Die Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich, jede_r ist also aufgerufen, die Gemeinde zu besuchen und kritisch zu intervenieren!
Kein Platz für Homo-,Transphobie und Rassismus!
Wir fordern eine sofortige Schließung der Arche!

[1] http://www.arche-potsdam.de/
[2] http://www.dijg.de/homosexualitaet/gesellschaft/stellungnahme-presseerklaerung-antidiskriminierungsbuero/
[3] http://wikimannia.org/Die_Geschichte_des_Genderismus
[4] und [5] http://schreibfreiheit.eu/2010/01/11/die-realitat-von-gender-mainstreaming/
[6] http://www.f-reckinger.de/pdf-dateien/vortrag-auszug_gewissenszwang.pdf



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